Drei bis zehn zusätzliche AT-Getriebeölwechsel möglich

Es gibt eine Servicelücke beim Wechsel von ATF

Eine Umfrage und eine Diskussion bei der Automechanika zeigen offene Potenziale für mehr AT-Ölwechsel auf und mit welchen Argumenten sich diese besser heben lassen.

Diskussionsrunde zum AT-Ölservice (v.l.): Andreas Raulf, Kfz-Technikermeister, Unternehmer und TV-Persönlichkeit. Jeffrey Kilian, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bundesinnungsverbandes des Kraftfahrzeughandwerks (BIV-Kfz). Patrick Stüdemann, Head of Technical Trainings Meyle. Die Autodoktoren Holger Parsch und Hans-Jürgen Faul. Torsten Schmidt, Moderator des Panels und Krafthand-Chefredakteur.

In der Ausgabe 15-16/2026 beleuchtete Krafthand, wie der Lifetime-Mythos für die Ölfüllung von Automatikgetrieben entstanden ist und warum bestimmte Autobauer keine Vorgaben zum Austausch des ATF machen. Technisch jedenfalls gibt es dafür keine Begründung, wie sich unter www.khme.de/lifetime-mythos nachlesen lässt und mannigfaltige Schaltprobleme und Getriebeschäden immer wieder zeigen (siehe dazu auch Video www.khme.de/at-getriebeschaeden-ursachen). Doch trotz dieser Tatsachen entscheiden sich viele Autofahrer oft gegen einen turnusmäßigen Ölservice.

Das bestätigt eine aktuelle und zur Automechanika 2026 von Meyle veröffentlichte Marktumfrage. Laut dieser geben immerhin rund 45 Prozent der in Deutschland befragten Werkstätten an, dass bestimmte Kunden einen Automatikgetriebe-Ölwechsel ablehnen, weil diese glauben, ihr Automatikgetriebe sei mit einer lebenslangen Ölfüllung ausgestattet und von daher brauche es keinen neuen Filter und frisches ATF.

Vier wichtige Zahlen aus der Kfz-Werkstattbefragung zum Automatikgetriebeöl und welchen Einfluss der Lifetime-Mythos hat.

Kommunikation als Schlüssel

Angesichts dieser Zahl ist klar: Es bleibt erheblich Potenzial liegen – zur Schadenvermeidung für Autofahrer und Umsätze für Werkstätten. Denn wie jeder Fachmann weiß und von Fachmedien wie Krafthand schon oft berichtet, haben viele Schaltprobleme und andere Getriebeschäden ihren Ursprung in zu altem, verschlissenem ATF. Darin waren sich auch namhafte Teilnehmer einer Diskussionsrunde bei der Automechanika 2026 einig (siehe Bild). So wies etwa Andreas Raulf, bekannt aus dem Motorsportmagazin Grip sowie Kfz-Technikermeister, der über Jahre AT-Getriebe repariert hat, darauf hin, dass Kunden der Unterschied zwischen Wartungskosten und Instandsetzungskosten eines defekten Getriebes erklärt werden müsse.

Deshalb: Das Stichwort Schadensprävention ist das stärkste Argument für einen regelmäßigen AT-Ölwechsel nach 60.000 bis 80.000 km. Dem stimmten die ebenfalls auf dem Podium vertretenen Autodoktoren Holger Parsch und Hans-Jürgen Faul zu. „Die Kunden sehen zunächst nur die Rechnung für den Getriebeölwechsel, aber nicht die Kosten für die spätere Reparatur. Man muss weg vom Preis kommen und hin zu den wirklich hohen Folgekosten eines Schadens“, so eine ihrer Aussagen. Kunden müssten davon überzeugt werden, dass der Ölservice keine Ausgabe, sondern eine Investition ist.

Zur Wahrheit …

… gehört aber auch: Obwohl die Autos sowie damit das Potenzial da ist und Werkstätten darum wissen, empfehlen der Umfrage zufolge satte 61,1 Prozent der Werkstätten einen Wechsel erst, wenn konkrete Probleme vorliegen oder bestenfalls wenn es eine konkrete Herstellerempfehlung für einen Service nach Kilometerstand gibt. Fehlt diese, gibt es demnach auch oft keine Empfehlung seitens der Werkstatt. Es gibt also auch eine gewisse Aufklärungslücke, die zugleich auf ein Nachfrageproblem stößt, auf das der stellvertretende Vorstandsvorsitze des Bundesinnungsverbandes des Kraftfahrzeughandwerks (BIV-Kfz) Jeffrey Kilian hinweist. Das bestätigen zwei Umfragewerte: So fragen 34,5 Prozent der Kunden sehr selten und 35,1 Prozent manchmal von sich aus nach einem AT-Ölservice. Das zeigt, dass Werkstätten ihre Kunden unbedingt proaktiv beraten sollten.

In diesem Kontext verweist Kilian jedoch auf den straffen Alltag in den Werkstätten. Deshalb benötigen die Betriebe wo eine Servicelücke klafft, einfache Lösungen, Prozesse und Argumente, um das Thema ATF-Wechsel vorantreiben zu können. Denn die Umfrage zeigt: Fast 60 Prozent der Betriebe könnten nach eigener Einschätzung drei bis zehn zusätzliche Getriebeölwechsel pro Monat anbieten, wenn Barrieren wie fehlende Schulungen, Materialien oder Teileverfügbarkeit geringer wären.

Bei der Diskussion auf dieses Thema angesprochen erklärte Patrick Stüdemann, Leiter des Technischen Trainings bei Meyle, dass wir genau hier als Partner der Werkstätten ansetzen. „Mit vollständigen Automatikgetriebeölwechsel-Kits, verlässlicher Verfügbarkeit und Beratungshilfen geben wir Werkstätten die Werkzeuge an die Hand, um dieses Potenzial in echtes Geschäft zu verwandeln.“ In diesem Kontext fallen drei weitere Zahlen der Umfrage auf.

  • 93 Prozent legen bei Wechselkits Wert auf Vollständigkeit.
  • 89 Prozent auch auf die Ölqualität und
  • 87 Prozent auf Verfügbarkeit.

Bei der Frage, wie wichtig das Preis-Leistungs-Verhältnis bei der Auswahl eines Getriebeöl-Wechsel-Kits als Kriterium ins Gewicht fällt, sinkt der prozentuale Anteil ab. Das sei für 79 Prozent der Befragten ein Faktor, den sie berücksichtigen.

Am Ende war sich die Runde einig, dass es gute Argumente für einen präventiven Ölwechsel zur Schadenvermeidung gibt und Werkstätten gefragt sind mehr aufzuklären, um dem Lifetime-Mythos entgegenzuwirken.

Hinweis: Details zu der Umfrage und der Erhebungsmethodik auf  www.meyle.com/iam-connect.

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