Opel möchte mit der zweiten Insignia-Generation vor allem mit dem Platzangebot, der Ausstattung sowie dem Preis-Leistungs-Verhältnis punkten und das Fahrzeug zum Herausforderer für Modelle der Premiummarken machen. Kann solch ein ambitionierter Plan aufgehen? Die Redakteure Schmidt, Guranti und Zink haben den Insignia ausgiebig probe gefahren. Die Meinungen gehen zum Teil deutlich auseinander.

Ein Insigne ist ein Zeichen der Herrschaft. Solch ein Zeichen möchte auch Opel mit seinem Flaggschiff setzen. Zu diesem Zweck hat der Autobauer den Insignia mit allerlei Spielereien, technischen Innovationen und Assistenzsystemen ausgestattet. Head-up-Display, Matrix-LED-Licht, 360-Grad-Kamera, Spurhalteassistent mit Lenkeingriff sind hier nur einige Eckpunkte.

Ein Allradantrieb mit Torque Vectoring und ein adaptives Fahrwerk ist ebenfalls bestellbar. Das sogenannte Torque Vectoring arbeitet dabei mit zwei elektrisch gesteuerten Lamellenkupplungen, die das Hinterachsdifferenzial ersetzen und eine präzisere, weil individueller anpassbare Kraftübertragung an jedes Rad ermöglichen sollen. Eventuellem Untersteuern kann das System somit entgegenwirken.

Das optionale adaptive Fahrwerk (Flexride-Fahrwerk) passt zudem die Charakteristik von Lenkung, Gas und Stoßdämpfern abhängig von den Vorlieben des Fahrers an. Bis auf den Allradantrieb und das Flexride-Fahrwerk hatte der von uns gefahrene Opel Insignia Sports Tourer alle Ausstattungshighlights, die man sich wünschen kann. Unser Fazit fiel trotzdem recht unterschiedlich aus.

Ein Auto, drei Meinungen

Florian Zink: Als der neue Insignia auf unserem Hof stand, war ich von der stattlichen äußeren Erscheinung beeindruckt. Dieser Eindruck relativierte sich nach dem Einsteigen allerdings schnell. Denn nach meinem Geschmack ist das Innenraumkonzept einfach zu bieder ausgefallen. Nichtsdestotrotz sind die Schalter, Knöpfe und Bildschirme durchaus logisch angeordnet und die Verarbeitung wirkt hochwertig genug für eine Mittelklasselimousine.

Mein größter Kritikpunkt aber ist das Innenraumgeräusch. Bei Fahrten auf Autobahnen mit Betondecken war jede Naht deutlich und laut zu hören. Mit einer zugegeben ungenauen Smartphone-App gemessen, betrug der mittlere Geräuschpegel im Innenraum 101 dB und stieg zeitweise auf 110 dB an. Das ist für eine komfortable Fahrt eindeutig zu laut.

Porträt von Florian Zink
Florian Zink, Redakteur der KRAFTHAND


Torsten Schmidt: Für mich ist der Insignia nicht nur von außen gelungen. Das Innenraumkonzept lässt sich ebenfalls nur als stimmig bezeichnen. Kurz gesagt: Es ist aufgeräumt, durchdacht und ansprechend gestaltet. Auch das Handling des Fahrzeugs ist auf der Höhe der Zeit. Das Fahrwerk stellt einen guten Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit dar. Lediglich der etwas rau laufende Dieselmotor erinnerte mich an die längst vergangene Ära der Pumpe- Düse-Aggregate bei Volkswagen.

Im Übrigen empfand ich die Innenraumgeräusche – anders als mein Kollege Zink – nicht besonders störend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die von uns gefahrenen 20-Zöller mit 245/35er Bereifung grundsätzlich nicht als sonderlich laufruhig gelten.

Torsten Schmidt, Chefredakteur der KRAFTHAND:


Rudolf Guranti: Äußerlich sieht für mich der neue Insignia im Vergleich zum Vorgänger eher fade aus. Wahrscheinlich war dessen Design für die eher konservative Opel-Kundschaft ein bisschen too much . Beim neuen Modell aber muss man auf der Straße schon schauen, ob er es auch wirklich ist: Außergewöhnliches Design sieht meiner Meinung nach anders aus, man muss froh sein über den Blitz vorne und hinten. Dafür ist der Kombi riesig: Mit seinen fast fünf Metern ist er sechs Zentimeter länger als das T-Modell der Mercedes-Benz E-Klasse.

Trotz alledem kann er in vielen Bereichen mit Premiummarken mithalten. In Sachen Sitzkomfort überragt er sogar einige Oberklassemodelle. Auch sind die Unterschiede bezüglich Materialanmutung und Verarbeitung gegenüber den Mitbewerbern nurmehr Nuancen.

Rudolf Guranti, Redakteur der KRAFTHAND