Blick ins KRAFTHAND-Magazin: Ausfall von Wasserpumpen häufig vermeidbar

Alt und neu: Wasserpumpen fallen nicht nur aufgrund von Verschleiß, sondern manchmal auch wegen hausgemachter Fehler aus. Bilder: Lanzinger

Anhand einer Analyse von Inspektionsdaten hat Gates die häufigsten Ursachen für den vorzeitigen Ausfall von Pkw-­Wasserpumpen ermittelt. Den Spitzenplatz in der Auswertung nimmt dabei die fehlerhafte Montage ein. KRAFTHAND erklärt, worauf Werkstätten achten müssen und geht auf Details bei Wapu-Defekten ein.

Entscheidend für eine längere Lebensdauer des Antriebssystems ist zu verstehen, warum eine Wasserpumpe ausfällt. Aus diesem Grund sammelt und analysiert das Unternehmen seit geraumer Zeit entsprechende Daten. Denn eine (defekte) Wasserpumpe routinemäßig auszutauschen, ohne nach der Ursache des Ausfalls zu suchen, kann ein vorzeitiges Aus der neuen Pumpe nach sich ziehen. Gleiches gilt für Montagefehler, die beispielsweise zum Trockenlauf der Pumpe führen. Trockenlauf durch Prüfung ­der WapuDas Kühlmittel kühlt nicht nur den Motor ab. Es hat auch eine andere wichtige Funktion. Bekanntlich übernimmt das Kühlmittel auch die ständige Schmierung der Dichtungen in der Wasserpumpe. Aus diesem Grund weist Gates darauf hin, dass eine Wasserpumpe niemals trocken laufen darf. Und niemals heißt: Dem Zulieferer zufolge dürfen Mechatroniker die Bauteile der Wasserpumpe vor dem Einbau keinesfalls auf Leichtgängigkeit prüfen – nicht einmal für ein paar Sekunden.

Trockenlauf
Bei einem Trockenlauf können innere Dichtungen dauerhaft beschädigt werden. Undichtigkeiten sind die Folge. Um einen Trockenlauf zu vermeiden, sollte außerdem die Antriebsscheibe der Pumpe nach deren Einbau und dem Befüllen des Kühlsystems ein paar mal per Hand gedreht werden. Dadurch kann vor dem Anlassen des Motors etwas Kühlmittel über die Gleitringdichtung fließen. Tipp: Um die Leichtgängigkeit der Bauteile der Wasserpumpe vor dem Einbau zu prüfen, sollte ein Behälter mit Kühlmittel gefüllt werden und die Wasserpumpe darin eingetaucht werden. So lässt sich die Leichtgängigkeit prüfen, ohne dabei das Risiko einzugehen, die Pumpe dauerhaft zu beschädigen.

Dichtungen und Dichtmittel
Alte Gleitringdichtungen und Flachdichtungen sollten ausgetauscht werden. Falls die Wasserpumpe über eine Gleitringdichtung oder eine Flachdichtung verfügt, darf niemals ein Dichtmittel aufgetragen werden. Dies führt zum Versagen der Bauteile. Dichtmittel nur verwenden, wenn dies der jeweiligen Fahrzeughersteller empfiehlt. Falls ein Dichtmittel empfohlen wird, ist es gleichmäßig entlang der Kante und um die Kühlmitteldurchführungen (Montagebohrungen) an der Laufradseite der Pumpe aufzutragen. Dabei kommt es jedoch auf die Dosis an. Zu viel Dichtmittel gefährdet den korrekten Einbau, da es sich löst und das Kühlmittel verunreinigt. Zu beachten: Unterschiedliche Dichtmittel trocknen unterschiedlich schnell. Deshalb immer sowohl an die Herstelleranweisungen für das Dichtmittel als auch für die ­Wasserpumpe halten.

Ungeeignetes oder verunreinigtes Kühlmittel
Die Verwendung von unspezifiziertem oder verunreinigtem Kühlmittel führt zu einem vorzeitigen Ausfall der Wasserpumpe. Ein unspezifiziertes, ungeeignetes Kühlmittel oder ein Gemisch von mehreren Kühlmitteln bietet in der Regel unzureichenden Schutz vor Rost und Korrosion. Verunreinigungen kommen häufig in unzureichend gewarteten Systemen vor. Schmirgelnde Partikel zirkulieren im System und zerkratzen/beschädigen die Dichtungen und inneren Oberflächen. Die Folge sind Defekte der einzelnen Wapu-Bauteile und Leckagen. Deshalb: Das Kühlsystem entleeren und mit geeigneten Geräten durchspülen, bevor eine neue ­Wasserpumpe eingebaut wird.

Hinweis: Da in modernen Kühlsystemen zahlreiche unterschiedlichen Materialien zum Einsatz kommen, sind immer speziellere Kühlmittelformulierungen gefragt. Dies ist der wesentliche Grund für die wachsende Anzahl der von den Automobilherstellern zugelassenen Kühlmitteln. Für die optimale Lebensdauer der Pumpe muss das jeweils empfohlene Produkt zum Einsatz kommen.

Einbau alter Bauteile
Wird ein abgenutzter Riemen mit einer neuen Wasserpumpe eingebaut oder kommt ein neuer Riemen mit einer alten Wasserpumpe zum Einsatz, führt das nach den Analysen von Gates zu einem vorzeitigen Ausfall des Antriebssystems. Deshalb empfiehlt der Zulieferer eine komplette Überholung des Antriebssystems sowie den gleichzeitigen Austausch der Riemen, der Spannrolle(n) und den Wechsel der Wasserpumpe. Dadurch kann das Risiko eines Ausfalls des Antriebssystems minimiert und die Lebensdauer der einzelnen Bauteile optimiert werden. Logischerweise sollte sich der Kfz-Mechatroniker an die empfohlenen Montagehinweise und Drehmomentvorgaben halten, um auf der sicheren Seite zu sein.

Normale und unnormale Aussickerungen
Kein Grund für den Austausch einer Wapu sind Aussickerungen aus dem Leckloch während der Einlaufphase einer neu eingebauten Pumpe. Dies ist normal. Sobald jedoch die Gleitringdichtung der Wapu richtig sitzt, sollte der Kühlflüssigkeitsaustritt aus dem Leckloch aufhören. Längeres Aussickern oder größere Kühlmittelspuren um das Leckloch herum sind unnormal und deuten auf einen drohenden Ausfall der Wasserpumpe hin.

Weitere interessesante Beiträge aus den Themenbereichen Werkstattpraxis, Automobiltechnik, Unternehmenspraxis und Werkstattrecht in der aktuellen KRAFTHAND. Zum Abo geht’s hier.