
Was der Bundesinnungsverband Kfz-Handwerk leistet
Im Krafthand-Interview nimmt der Bundesinnungsmeister dazu Stellung, wie der Bundesinnungsverband (BIV) für das Kfz-Handwerk nach der Trennung vom ZDK ins Arbeiten kommt und welche Themen dabei anstehen.

Über die Verbandskrise im Kfz-Gewerbe sowie die Querelen zwischen ZDK und BIV wurde hinlänglich berichtet. Ohne hier nochmal auf Details und Ursachen zu blicken, ist es heute so, dass der Bundesinnungsverband (BIV), der jahrzehntelang als ZVK (Zentralverband des Kraftfahrzeughandwerks) innerhalb des ZDK agierte, seit geraumer Zeit mit einer eigenen Geschäftsstelle operiert. Dementsprechend bearbeitet er bestimmte Themenfelder unabhängig und vertritt diese nach außen auch unter dem eigenen Logo des BIV Kfz-Handwerk.
Doch für wen und wofür steht der Verband und welche kurzfristigen, aber auch langfristigen Aufgaben haben für ihn oberste Priorität? Unter anderem darüber hat sich Krafthand mit dem Bundesinnungsmeister und Vorstandsvorsitzenden des BIV Kfz-Handwerk Detlef-Peter Grün unterhalten.
Herr Grün, zunächst für die Inhaber von Kfz-Betrieben und Kfz-Fachkräfte, die sich weniger mit Verbandspolitik auseinandersetzen: Für wen steht der BIV ein und welche Themen übernimmt er nun unabhängig vom ZDK?
Um es klar zu sagen, wir setzen uns für die Interessen aller Mitgliedsbetriebe der Kfz-Innungen ein. Für alle, die ein Meisterschild an der Tür hängen haben. Wir reden dann nicht nur von freien Werkstätten, sondern ganz klar ebenso von markengebundenen Betrieben. Denn natürlich sind auch diese handwerklich tätig und haben entsprechende Interessen.
„Der BIV setzt sich
für die Interessen aller Mitgliedsbetriebe der Innungen ein, für alle die ein Meisterschild an der Tür hängen haben.“
Zu den Themen, für die der BIV steht: Das sind einige. Ganz oben stehen natürlich die hoheitlichen Aufgaben, die uns der Verordnungsgeber übertragen hat und die in unserer Satzung verankert sind. Das heißt, wir sind dafür da, die hoheitlichen Aufgaben im Bereich Fahrzeuguntersuchung in Deutschland mit beigestellten Prüfungen sicherzustellen. Stichwort AÜK.
Darüber hinaus stehen wir für klassische handwerkliche Themen, aber auch für politische. Denn Kfz-Unternehmer treibt zum Beispiel das Thema Betriebsnachfolge im Kontext mit dem Erbrecht oder eine Entbürokratisierung um, für die wir in Berlin und Brüssel eintreten.
Hat der BIV nach der Trennung vom ZDK überhaupt genügend Schlagkraft und Manpower, um alle diese Themen bearbeiten und bei der Politik vorbringen zu können?
Ein klares Ja. An der Manpower liegt es nicht, da ja schon vor der Trennung der Geschäftsstellen ein beträchtlicher Teil des Personals in Bonn bei uns angesiedelt war. Außerdem arbeiten wir bei bestimmten Aufgabenstellungen, etwa wenn es um die Erhaltung der individuellen Mobilität geht, eng mit anderen Verbänden zusammen. Dazu gehören die Autolackierer und Karosseriebauer, das Vulkaniseurhandwerk oder auch die Landmaschinenbauer und die Kollegen vom Zweirad.
Eine wichtige und übergeordnete Rolle spielt für uns der Zentralverband des Deutschen Handwerks ZDH, der als Dachverband für das Handwerk zu den fünf größten Wirtschaftsverbänden in Deutschland gehört und damit bei der Politik in Berlin viel mehr Gehör hat, als die vielen kleineren Verbände. Dazu eine Anekdote, die das Gewicht des ZDH verdeutlicht: Die in Folge der Finanzkrise von 2009 gekommene Abwrackprämie haben wir zu einem Großteil dem Einsatz des ZDH zu verdanken, den mein Vorgänger Wilhelm Hülsdonk mit ins Boot geholt hat. Das zeigt, wie wichtig solche Allianzen sind.
„Der BIV soll kein Raumschiff sein, sondern absolut geerdet. Ganz dicht an den Themen, die Werkstätten und Kfz-Betriebe umtreiben.“
Welche Anliegen stehen innerhalb des BIV mittel- bis langfristig auf der Agenda?
Bevor wir über das Welche reden, lassen sie mich zunächst etwas über das Wie sagen. Wir haben zwei Fachausschüsse gebildet, in denen alle Landesverbände volles Mitspracherecht haben und auch ihr Know-how durch Vertreter einbringen können. Das ist mir sehr wichtig, da ich mich nicht nur als Repräsentant der Dachorganisation sehe, sondern vor allem als von den Landesverbänden gewählten Vorsitzenden. Der BIV soll kein Raumschiff, sondern absolut geerdet sein. Ganz dicht an den Themen, die Werkstätten und Kfz-Betriebe umtreiben.
Wie sieht das Fachgruppenkonzept aus?
Neben dem Ausschuss Werkstatt und Handel sowie dem Ausschuss Berufsbildung und Fachkräftesicherung haben wir vier weitere Fachgruppen etabliert. Sie sollen sich um Nachhaltigkeit und Bürokratieabbau, Digitalisierung und Mobilität, Werkstatt und Technik sowie Fahrzeug- und Teilehandel kümmern. Also Themen, die unmittelbar in die Arbeitswelt der Werkstätten hineinreichen. Diese Ausschüsse und Fachgruppen sollen wichtige Impulsgeber der Verbandsarbeit sein, die nicht losgelöst vom großen Ganzen agieren. Deshalb ist es wichtig, sie mit Praktikern zu besetzen, also mit Menschen, die in den Werkstätten arbeiten oder sehr nah dran sind. Die wissen am besten, wo die Bürokratie am meisten belastet, der Schuh bei Werkstatt und Technik sowie Digitalisierung oder beispielsweise E-Mobilität drückt.
Welche davon sind die dringlichsten Themen?
Eine Prioritätenliste möchte ich nicht aufmachen. Aber nach wie vor treibt das Thema Ausbildung und Fachkräfte viele Betriebe um. Wir im Kfz-Handwerk sind zwar führend bei den Azubi-Zahlen. Aber wir müssen besser werden, diese jungen Menschen in unseren Betrieben zu halten. Ganz wichtig dabei: Wir müssen einerseits den Nachwuchs motivieren, seinen beruflichen Weg weiterzugehen und andererseits weiterhin um Schulabgänger werben, den Beruf des Kfz-Mechatronikers und der Kfz-Mechatronikerin zu erlernen. Hier sind wir als Verband sehr aktiv.
Blickt man auf die technischen Herausforderungen, sind zum Beispiel das Beherrschen von ADAS und Zugänge zu Daten aus den vernetzten Fahrzeugen Aspekte, die unsere Branche beschäftigen und denen wir uns als Verband ebenfalls stellen, damit zum Beispiel freie Werkstätten hier nicht diskriminiert werden.
Damit der BIV in Austausch mit den Kfz-Betrieben kommt, wird er auf der Automechanika im September auf dem gemeinsamen Stand mit dem ZDK deutlich sichtbar sein. Was können Besucher vom BIV erwarten?
Zunächst lade ich alle Fachbesucher ein, an unseren Stand zu kommen. Sie sollen uns fragen, was der BIV macht. Wir wollen offen Rede und Antwort stehen. Etwa dazu, was es Neues gibt. Aber auch, wo wir Herausforderungen und Zukunftsthemen sehen. Darüber hinaus arbeiten wir am Programm der Obermeistertagung, die am 7. September, einen Tag vor der Eröffnung der Automechanika, stattfindet. Als Keynotespeaker konnten wir den ZDH-Präsidenten Jörg Dietrich gewinnen, mit dem auch eine Diskussion geplant ist. Zudem kommen die Autodoktoren. Weiterhin wollen wir vor dem Hintergrund der VDI/ZDK-6032-Hygienerichtlinie für Klimaanlagen praxisnah Systeme zur Reinigung/Desinfektion vorstellen, um nur einiges von dem zu nennen, was wir vorhaben. Aber nochmal: Am wichtigsten ist uns das Netzwerken und Fachsimpeln mit Leuten von der Basis in den Pausen der Obermeistertagung und auf unserem Stand während der Automechanika.
Herr Grün, herzlichen Dank.
Das Gespräch führte Torsten Schmidt








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