
Stundenverrechnungssätze werden deutlich steigen müssen
Zugegeben: Meine These im Titel ist durchaus kontrovers und meine Begründung womöglich noch mehr: Werkstätten müssen mittel- bis langfristig mehr Umsätze über ihre verkaufte Arbeitszeit generieren. Und zwar deshalb, weil Teilemargen künftig deutlich zurückgehen könnten. Dabei denke ich zwar auch, aber keineswegs nur, an E-Autos, bei denen sich zumindest der Serviceaufwand (kein Öl, kein Riemenwechsel etc.) reduziert.
Davon unabhängig könnten Kunden aufgrund des Internethandels und der damit transparenten und niedrigeren Preise perspektivisch auch zunehmend Druck ausüben und gehäuft erklärt haben wollen, warum sie für das Ersatzteil XY mehr bezahlen sollen als online. Oder: Immer mehr Kunden bringen ihre Teile selbst mit. Das ist zwar nicht neu und als Werkstattinhaber kann man völlig zurecht sagen: „Die baue ich nicht ein.“ Schaut man aber auf verschiedene Faktoren, ist keinesfalls ausgemacht, dieses Kundenverhalten dauerhaft im Zaum halten zu können.
Vor allem auch dann nicht, wenn weiter Schule macht, was einer der größten Online-Teilehändler jetzt tut: Autodoc kooperiert mit Euromaster – so bekommt jeder in dortigen Filialen die Reifen montiert, der auf der Teileplattform gekauft hat. Warum sollte dieses Modell nicht irgendwann auf Ersatzteile ausgeweitet werden und andere Plattformen nachziehen? Autodoc jedenfalls prüft das schon für Ölwechsel und Bremsenservice. Zugleich steigt der wirtschaftliche Druck auf Autofahrer durch weiter anziehende Lebenshaltungskosten. Damit könnte die bisher praktizierte Mischkalkulation für Verrechnungssätze ins Wanken geraten.
Nicht, dass es so kommen muss. Aber wenn doch, dann sind höhere Stundensätze die Konsequenz. Vertragswerkstätten reagieren schon heute darauf, indem sie für Arbeiten an E-Autos einen teils spürbar höheren Verrechnungssatz ansetzen als bei Verbrennern. Klar, ihnen entgeht durch die größere Anzahl an E-Autos etwa ein Teil der hohen Ölmargen etc. Ihre komplette Werkstattinfrastruktur müssen sie aber irgendwie weiter finanzieren. Gleiches gilt für Aktionen zu Software-Updates, die immer häufiger im großen Umfang over the air erfolgen – und Autohäuser Umsätze kosten. Das kann sogar dazu führen, dass die Differenz zwischen den Stundensätzen von Autohäusern und Freien weiter wächst und Letzteren genügend Spielraum für (weitere) Erhöhungen lässt, ohne an Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen.







