Kommentar

Warum Auto-Abos toxisch fürs Servicegeschäft wären

Immer mehr Autobauer steigen ins Geschäft mit Auto-Abos ein. Warum es für die Preise im Service gut ist, dass dies kein Modell für Privatleute sein kann, erklärt Chefredakteur Torsten Schmidt in seinem Kommentar.

Torsten Schmidt, Chefredakteur: „Ich bin optimistisch, dass Auto-Abos in der Nische bleiben.Und das ist gut so. Nicht nur, weil den Händlern damit Verkäufe wegbrechen, sondern auch beim Service ein wahrscheinliches Preisdiktat erspart bleibt.“

„Wir schätzen, dass bis 2030 rund 20 Prozent unserer Umsätze aus Abos und anderen kurzzeitigen Mobilitätsangeboten stammen könnten.“ Das sagt Klaus Zellmer, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei Volkswagen vor dem Hintergrund, dass sich die Wolfsburger vom reinen Fahrzeughersteller zum Mobilitätsanbieter wandeln wollen. Zu dieser Strategie gehört die Übernahme von Europcar ebenso wie in Zukunft Autos im Abo anzubieten. Ein Weg, den andere Autobauer gleichermaßen beschreiten (wollen).

VW-Mann Zellmer begründet diesen Schritt damit, dass „die Zahl der Menschen wächst, die ein Fahrzeug nicht unbedingt dauerhaft besitzen, es jedoch für einen definierten Zeitraum exklusiv nutzen möchten.“ Damit mag er vielleicht recht haben, den Erfolg der Abos garantiert das lange nicht. Denn selbst wenn Versicherung und Wartung im Abopreis drin sind: 499 Euro im Monat für einen ID.3 bei nur 9.600 Freikilometern im Jahr sind alles andere als ein Schnäppchen. Und letztlich wohl kaum billiger als ein Autokauf.

Man überlege: Bei einem vierjährigen Abo würden knapp 24.000 Euro zu Buche stehen und nach dieser Laufzeit hat man: Nichts. Im Gegenteil: Es fallen womöglich wie beim Leasing noch Kosten für Gebrauchsspuren an. Wer hingegen kauft, hat noch sein Fahrzeug vor der Tür stehen, dessen ideeller Wert für den Besitzer oft noch über den tatsächlich materiellen hinausgeht. Deshalb fehlt mir die Fantasie zu glauben, dass Auto-Abos über ein Nischendasein hinauskommen. Und das ist gut so.

Denn klar ist doch: Tritt ein Autobauer als Betreiber einer Abo-Flotte auf, ist er ein Großkunde für seine Partnerbetriebe und es liegt nahe, dass er Preise diktiert – sei es bei den Ersatzteilmargen oder auch Stundenverrechnungssätzen. Wie das geht, machen Versicherungen bei der Schadenregulierung tagtäglich vor. Es gilt das Recht des Stärkeren.

Und dennoch gehe ich davon aus, dass Abos – anders als der momentane Hype glauben machen mag – nicht das große Ding werden und somit auf die Servicemargen drücken. Denn letztlich ist ein Abo maximal etwas für Geschäftskunden (die dann aber zugunsten des Abos auf Leasing verzichten) oder für diejenigen, die nicht rechnen müssen oder können.

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