
Von Unternehmensorganisation bis Nachfolgeplanung
Nicht selten hört man von Kfz-Profis, dass ihnen die Innungsmitgliedschaft nichts bringt. Im Krafthand-Interview widerspricht der Präsident des bayerischen Kfz-Landesverbands Günter Friedl diesem Eindruck und hat dafür gute Argumente. Zugleich sagt er, dass die Werkstätten interessante Dienstleistungsangebote nur wenig in Anspruch nehmen.

Herr Friedl, als Präsident des bayerischen Landesverbands für das Kfz-Gewerbe sind Sie zwar nicht unmittelbar ein Innungsvertreter, haben jedoch in Ihrer Funktion Einblicke in die Aktivitäten der sieben bayerischen Innungen und mehr als 7.000 Betriebe. Was würden Sie einem Kfz-Unternehmer entgegenhalten, der seine Innungsmitgliedschaft in Frage stellt?
Eine Mitgliedschaft ist weit mehr als eine „Pflichtaufgabe“: Sie bietet eine verlässliche Struktur, die Werkstätten in allen Fragen des Alltags unterstützt – von Betriebsorganisation und Personalthemen bis Ausbildung und Nachwuchsgewinnung. Zudem haben gerade kleine und mittlere Unternehmen oftmals weder Zeit noch Ressourcen, um sich allein und rechtssicher durch das Dickicht aus Vorschriften, Normen und Gesetzen zu kämpfen. Unsere Innungen bündeln diese Themen, bereiten sie praxisgerecht auf und vertreten die gemeinsamen Interessen gegenüber Politik und Öffentlichkeit.
Welche Dienstleistungen bietet der Verband über die Innungen an, von denen Werkstätten nach Ihrem Dafürhalten zu wenig Gebrauch machen?
Ein Beispiel ist unsere Betriebsberatung, die wir in enger Zusammenarbeit mit den sieben bayerischen Kfz-Innungen und dank der Förderung des Bundes und des bayerischen Wirtschaftsministeriums für Mitglieder kostenfrei anbieten können. Seit dem Start 2009 wurden bereits rund 3.000 Kfz-Betriebe erfolgreich unterstützt – etwa bei der Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen, der Organisation von Erst- und Brandschutzhelfern, der rechtssicheren Lagerung wassergefährdender Stoffe oder bei Prüfungen von Ölabscheidern. Auch Datenschutzmanagement, Dokumentationspflichten und rechtssichere Internetauftritte gehören dazu. Darüber hinaus werden Optimierungen beim Druckluftmanagement aufgezeigt – inklusive Hinweise auf BAFA-Förderungen –, ebenso wie Verbesserungen bei Direktannahme, Unfallschadenabwicklung und Kundenkommunikation.
Auch bei betriebswirtschaftlichen Fragen sind wir umfassend aufgestellt: Die Beratung reicht von Existenzgründung, Betriebsübernahme und Nachfolgeplanung über Kalkulation und Stundenverrechnungssätzen bis Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Finanzierung, Fördermittelberatung und Vorbereitung von Bankgesprächen. Hinzu kommen Themen wie Digitalisierung, Marketing, Social Media und Vertriebsstrategien. Ebenso wichtig ist die rechtliche Unterstützung, die unsere Mitglieder über ihre Innung erhalten. Unsere Rechtsberatung begleitet sie in allen Fragen rund um Arbeitsrecht, Gewährleistung, Vertragsgestaltung, Abmahnungen oder Haftungsfragen.
Sind solche Angebote für die Mitgliedsbetriebe bundesweiter Standard?
Alle Landesverbände in Deutschland unterstützen ihre Mitgliedsbetriebe mit fachlicher Beratung, die je nach Bundesland unterschiedlich organisiert ist. Mit rund 180 hauptamtlichen Mitarbeitenden in den bayerischen Innungen und im Landesverband sind wir organisatorisch stark aufgestellt und können die Anliegen unserer Mitglieder schnell aufgreifen.
Ich bin mit meinem eigenen Betrieb seit vielen Jahren Mitglied in Bayerns größter Kfz-Innung und weil ich vom Mehrwert überzeugt bin, engagiere ich mich heute in diesem Amt.
Viele Kfz-Betriebe beklagen akuten Fachkräftemangel. Wie unterstützt der bayerische Landesverband als Dachorganisation der bayerischen Innungen die Werkstätten und Autohäuser dabei?
Fachkräftesicherung ist die größte Zukunftsaufgabe unserer Branche und wir packen sie von beiden Seiten an: bestehende Teams stärken und Nachwuchs gewinnen. Für Mitarbeitende in Werkstätten bieten die Innungen daher ein breites Spektrum an Schulungen und Weiterbildungen an wie Techniktrainings, Hochvolt- und Diagnoseschulungen sowie Seminare für Serviceberater oder Führungskräfte. Zur Fachkräftesicherung gehört aber auch, dass Betriebe attraktive Arbeitsbedingungen schaffen. Hier unterstützen wir mit praxisnahen Angeboten und setzen uns politisch dafür ein, dass etwa Weiterbildungen besser gefördert und bürokratische Hürden abgebaut werden.
Für die Nachwuchsgewinnung bringen wir mit unserer Social-Media-Kampagne und dem Portal www.kfz-ausbildung-bayern.de seit rund drei Jahren erfolgreich Betriebe und Bewerber zusammen. Inzwischen konnten wir fast 4.000 junge Menschen unmittelbar mit Werkstätten in Kontakt bringen. Auf Tiktok und Facebook setzen wir auf authentische Inhalte – „echte Azubis aus echten Betrieben“, die zeigen, was unser Handwerk ausmacht: Leidenschaft, Teamgeist und Zukunft. Damit erreichen wir Millionen junger Menschen und machen sichtbar, wie vielfältig und spannend eine Ausbildung im Kfz-Gewerbe ist.
Anderes Thema: Bürokratie. Jeder Kfz-Betrieb klagt über zu viel Regulierung. Was stört Sie konkret und bei welchen Themen kann der Landesverband Linderung verschaffen?
Was mich besonders stört, sind Regeln, die keinen erkennbaren Mehrwert bringen, aber enorm Zeit fressen: beispielsweise die verpflichtende Arbeitszeiterfassung, umfangreiche Dokumentationspflichten im Gefahrstoff- oder Strahlenschutzbereich und die Pkw-EnVKV, die sogar Schriftgrößen vorgibt und damit Abmahnrisiken statt Transparenz schafft. Ein weiteres Beispiel sind die „roten Kennzeichen“: Für jede einzelne Probefahrt müssen Daten umständlich per Hand in Papierform erfasst werden. Inzwischen konnten wir erreichen, dass das bayerische Verkehrsministerium eine digitale Lösung prüft.
Darüber hinaus setzen wir uns für eine Verschonungsgröße ein – also eine Grenze, unterhalb der kleinere Betriebe von Anforderungen, etwa aus dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, ausgenommen werden sollen. Denn kleine und mittlere Unternehmen brauchen Freiräume, um arbeiten zu können, statt sich durch endlose Dokumentationen zu kämpfen. Natürlich können wir solche Vorschriften nicht über Nacht ändern, aber wir machen die Belastungen sichtbar und verschaffen dem Handwerk Gehör. Gleichzeitig geben wir unseren Mitgliedern Musterformulare, Leitfäden und Schulungen an die Hand, um den Aufwand so gering wie möglich zu halten.
Herr Friedl, vielen Dank.








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