Vertrauen in ADAS noch gering

Welche Fahrerassistenzsysteme von Autofahrern an ihren eigenen Pkw geschätzt werden und welche Funktionen deutlichen Verbesserungsbedarf haben, zeigt eine Befragung von Uscale.
Eine aktuelle Umfrage unter mehr als 4.000 Autofahrern in Deutschland zeigt: Bei der Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen (FAS/ADAS) muss sich noch viel tun – gerade mit Blick auf autonomes Fahren. Uscale, Beratungs- und Marktforschungsunternehmen zur E-Mobilität, hat die Erfahrungen der Studienteilnehmer analysiert – mit Fokus auf die tatsächliche Nutzung, die größten Hürden und das Verbesserungspotenzial der wichtigsten FAS.
Die befragten Autofahrer fuhren Pkw, die 2022 oder später erstmals zugelassen wurden, und bewerteten die darin verbauten zentralen Assistenzsysteme zur Längs- und Querführung (adaptive Geschwindigkeitsregelung, Verkehrszeichenerkennung mit automatischer Geschwindigkeitsanpassung, Spurwechselassistent und Spurfolgeassistent).
Den Angaben nach betrachten 71 und 76 Prozent der Befragten die Spurwechsel- und Spurfolgeassistenten in ihrem Auto als gut oder sehr gut. Die Verkehrszeichenerkennung mit automatischer Geschwindigkeitsregulierung hingegen sehen nur 61 Prozent der Teilnehmer als gut oder sehr gut an.
Verhaltene Nutzung
Doch nur weil Fahrerassistenzsysteme im Fahrzeug verbaut sind, heißt es nicht, dass alle Fahrzeughalter diese nutzen: Je nach System reichen die tatsächlichen Nutzungsquoten von rund 25 bis mehr als 90 Prozent. Als Gründe für die Nichtnutzung nannten die Befragten vor allem mangelnde Zuverlässigkeit und infolgedessen Sicherheitsbedenken und fehlendes Vertrauen.
Aber auch diejenigen, die ihre Fahrerassistenzsysteme aktiv verwenden, sind nicht immer zufrieden. So fühlen sich beispielsweise 31 Prozent der Nutzer von der adaptiven Geschwindigkeitsregelung bevormundet, 35 Prozent empfinden sie als nervig und 19 Prozent geben sogar an, bei der Nutzung Angst zu haben. Grund dafür sei etwa, dass sie sich bei der Nutzung nicht sicher fühlen und/oder selbst aktiv das Fahrgeschehen kontrollieren möchten.

Die Studienteilnehmer befassten sich auch mit den reaktiven Assistenzsystemen: Dabei erhält der Totwinkelassistent mit 95 Prozent die besten Werte für wahrgenommene technische Ausgereiftheit. Der Spurhalteassistent folgt mit 72 Prozent und der Ablenkungswarner mit 63 Prozent. Bei den Parkassistenzsystemen zeigt sich eine höhere Zufriedenheit unter den befragten Autofahrern: 84 Prozent stufen automatisches Parken als gut oder sehr gut ein, das automatische Anhängerparken erreicht sogar 88 Prozent und das Remote Parking (ferngesteuertes Parken) 75 Prozent.
Großes Entwicklungspotenzial
Neben der persönlichen Einschätzung des Reifegrads ermittelte die Umfrage auch die konkreten Probleme bei der Nutzung. Diese sind den Angaben zufolge etwa unerwartete Systemreaktionen (wie abruptes und/oder unbegründetes Abbremsen, zu sensible oder zu wenig sensible Beschleunigung), unzuverlässiges Erkennen der Verkehrssituation, einzelner Objekte und Markierungen auf der Fahrbahn sowie weitere Aspekte, die das Sicherheitsgefühl und den Komfort erheblich einschränken.
Uscale-Geschäftsführer Dr. Axel Sprenger bringt die Ergebnisse der Studie auf den Punkt: „Erst wenn Fahrerinnen und Fahrer allen Assistenzsystemen vertrauen und die Systeme reibungslos zusammenarbeiten, ist der Weg frei für das autonome Fahren. Unsere Daten zeigen leider deutlich, dass wir davon noch sehr weit entfernt sind.“







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