
„Unsere Onlinepreise verbessern Margen spürbar“
Autodoc baut das speziell auf Kfz-Betriebe zugeschnittene Pro-Programm weiter aus. Welche Vorteile der „phygitale“ Ansatz für freie Werkstätten mit sich bringt und warum sich die Verkaufsplattform nicht als Konkurrenz zu regionalen Händlern sieht.

Die Autoteile-Verkaufsplattform Autodoc verzeichnet in europäischen Märkten einen starken Umsatz nach dem nächsten – das größte Wachstum zeigt sich den eigenen Angaben nach in Deutschland und Frankreich (kombiniertes Wachstum von 19,6 % auf 731,0 Millionen Euro im Zeitraum Januar bis September 2025). Grund dafür ist unter anderem das Pro-Programm für Kfz-Betriebe, das der Onlinehändler seit März vergangenen Jahres konsequent ausbaut. Was dahintersteckt, welchen Mehrwert dieses Programm für freie Werkstätten in Deutschland bietet und welche Rolle die Eigenmarke goCore spielt, erklärt CEO Dmitri Zadorojnii im Interview mit Krafthand.
Herr Zadorojnii, viele kennen Autodoc als Autoteile-Verkaufsplattform für Endkunden. Weshalb fokussieren Sie nun auch Werkstätten als Zielgruppe?
Viele Kfz-Profis haben schon immer ganz selbstverständlich in unserem Webshop bestellt. Der nächste logische Schritt war daher, dieses Verhalten aufzugreifen und ein gezielt auf die Bedürfnisse von Werkstätten zugeschnittenes Angebot zu entwickeln.
Gerade in Deutschland ist der Werkstattmarkt stark fragmentiert, vielerorts noch analog geprägt und zugleich sehr qualitäts- und serviceorientiert. Werkstätten wünschen sich digitale Effizienz bei der Teilebeschaffung, legen aber weiterhin großen Wert auf persönliche Ansprechpartner. Genau hier setzt AUTODOC PRO an: Mit unserem phygitalen [Anmerk. d. R.: Kombibegriff aus physisch und digital] Ansatz verbinden wir eine leistungsfähige Onlineplattform mit persönlicher Betreuung durch feste Servicemitarbeiter vor Ort.
So können wir unsere digitale Stärke und unser breites Sortiment ausspielen und gleichzeitig langfristige, vertrauensvolle Beziehungen zu deutschen Kfz-Profis aufbauen – unabhängig davon, ob es sich um freie Betriebe, Vertragswerkstätten, Flottenbetreiber oder unabhängige Mechaniker handelt. Unser Ziel ist es, Kfz-Profis den Arbeitsalltag spürbar zu erleichtern und sie wirtschaftlich zu unterstützen.
Den klassischen Händler können und wollen wir nicht ersetzen, sondern verstehen uns als sinnvolle Ergänzung im Teilebeschaffungsmix der Werkstätten.
Was müssen freie Werkstätten wissen, die an AUTODOC PRO angeschlossen werden möchten?
AUTODOC PRO bietet Kfz-Betrieben Zugriff auf rund 7,8 Millionen Ersatzteile und Zubehörartikel – von Premiummarken bis zu kostengünstigen Alternativen. Werkstätten profitieren von deutlichen Preisvorteilen, schneller Suche, flexiblen Zahlungsoptionen und persönlichem Service durch unsere Mitarbeiter vor Ort.
Es gibt keine Vertragslaufzeiten und keine Mindestumsätze, dafür aber ein Treueprogramm. Rückgaben sind innerhalb von 100 Tagen möglich und die Erstattung erfolgt noch am gleichen Tag. Auch im Garantiefall stehen wir unseren Kunden zur Seite – sowohl bei Eigenmarken als auch bei Produkten von Drittanbietern. In jedem Fall sichern wir eine transparente und rechtskonforme Abwicklung zu, sodass Werkstätten sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren können.
Wie läuft AUTODOC PRO für Werkstätten konkret ab? Kommt das Außendienstteam täglich in den Kfz-Betrieb?
Bei AUTODOC PRO läuft die Teilebeschaffung für Werkstätten komplett digital – schnell, einfach und effizient. Unsere Plattform unterstützt die Suche nach dem richtigen Ersatzteil mit Funktionen wie VIN-Kompatibilitätsprüfung, OEM-Katalog, voraussichtlichen Lieferterminen und Gewinnmargen. Filter nach Marke, Lieferzeit oder Preis helfen zusätzlich, das passende Teil noch schneller zu finden. Für B2B-Kunden bieten wir außerdem Sammelbestellungen, Rechnungskauf und bevorzugte Lieferung an, die Bezahlung erfolgt flexibel, etwa per Rechnung oder Kreditkarte.
Lieferungen erfolgen aus unseren Logistikzentren in Berlin, Szczecin (Polen), Cheb (Tschechien) und Gent (Belgien) – in der Regel innerhalb weniger Werktage. Ergänzend besucht unser Außendienst die Werkstätten regelmäßig, etwa ein- bis viermal im Monat, um Retouren abzuholen und bei allen Fragen rund um Teile oder Plattform zu unterstützen. Darüber hinaus steht den Werkstätten unser Kundensupport telefonisch über eine Servicehotline zur Verfügung.
Auch im Garantiefall stehen wir unseren Kunden zur Seite – sowohl bei Eigenmarken als auch bei Produkten von Drittanbietern.
Für Werkstätten spielt die Lieferzeit eine wichtige Rolle. Wie bereiten Sie sich logistisch darauf vor, um diese möglichst schnell beliefern zu können?
Wir positionieren uns bewusst als ergänzender Lieferant zu den bestehenden Distributoren und bieten Werkstätten einen anderen Mehrwert. Während klassische Händler mehrere Lieferungen pro Tag ermöglichen, liegen unsere üblichen Lieferzeiten bei ein bis drei Werktagen nach Bestellung. Das ist zwar länger, eröffnet Werkstätten aber ein zusätzliches wirtschaftliches Potenzial.
Unser Angebot bezieht sich vor allem auf planbare Reparaturen wie Wartungstermine, bei denen die benötigten Teile im Vorfeld bekannt sind und rechtzeitig bestellt werden können. Wenn Werkstätten vorausschauend planen und eine etwas längere Lieferzeit in Kauf nehmen, profitieren sie von Preisvorteilen im zweistelligen Prozentbereich gegenüber dem regionalen Großhandel. So können sie auch Reparaturen wirtschaftlich durchführen, die andernfalls möglicherweise weniger attraktiv wären.
Der Preisunterschied erklärt sich unter anderem dadurch, dass beim regionalen Großhandel stets die Kosten für die lokale Infrastruktur mitbezahlt werden. Unsere wettbewerbsfähigen Onlinepreise helfen Werkstätten hingegen, ihre Margen spürbar zu verbessern – ein nicht zu unterschätzender Vorteil in einem stark umkämpften Markt. Gleichzeitig ist klar: Wenn ein Fahrzeug bereits auf der Hebebühne steht und kurzfristig ein Ersatzteil fehlt, bleibt der klassische Händler vor Ort die erste Wahl. Diesen können und wollen wir nicht ersetzen, sondern verstehen uns als sinnvolle Ergänzung im Teilebeschaffungsmix der Werkstätten.
Welche Rolle spielt bei der Expansion von Autodoc und besonders für AUTODOC PRO die Eigenmarke goCORE? Welche Produktgruppen/Teile fallen darunter und was macht die Marke besonders?
Unsere Eigenmarken spielen eine immer wichtigere Rolle, auch im B2B-Bereich. Mit goCORE führen wir diese Strategie gezielt für Werkstätten weiter. Die Marke wurde gemeinsam mit Branchenexperten entwickelt und in realen Werkstätten getestet. Sie steht für konstante Qualität, ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis und die Verfügbarkeit gefragter Ersatzteile wie Bremsen, Lenkung, Federung/Dämpfung, Filter, Anlasser/Lichtmaschinen, Batterien, Sensoren und Lager.
Auch wenn goCORE noch jung ist und erst im September 2025 in Deutschland eingeführt wurde, wird die Marke eine zentrale Rolle in unserer B2B-Strategie spielen: Wir bauen das Sortiment länderspezifisch aus, stärken den Vertrieb über AUTODOC PRO und positionieren goCORE als vertrauenswürdige, wirtschaftliche Option für Werkstätten in ganz Europa.
Herr Zadorojnii, vielen Dank.








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