Kommentar: Die Freien sind eine korrigierende Gegenmacht

Torsten Schmidt, Chefredakteur KRAFTHAND

Freie Werkstätten sind den einen oder anderen Vertreter der Markenfraktion ein Dorn im Auge. Dabei ist der freie Reparaturmarkt ein Gegenpol, der Fahrzeughersteller daran hindert, ihre Vertragspartner noch mehr zu gängeln.

Zu einem gesunden Wettbewerb in einer Branche gehört, dass man seine Konkurrenz im Auge behält und sich auch mit dieser vergleicht. Das reicht aber nicht aus, um erfolgreich am Markt zu bestehen. Denn dazu muss man sich auf seine eigenen Stärken konzen­trieren und an seinen Schwächen arbeiten. Und auf gar keinen Fall sollte man jammern, wie schwer man es doch habe und mit Dingen hadern, die man womöglich sowieso nicht ändern kann.

Jedoch lässt sich leider immer wieder beobachten, dass die ­genannten Weisheiten außer Acht gelassen werden. Die Markengebundenen sind neidisch auf die Reparaturen, die die Freien mit den älteren Autos ins Haus bekommen. Und die Freien sehen sich gegenüber den Markengebundenen in vielen Punkten benachteiligt – etwa wenn es um Reparaturinformationen geht.

Dabei ist das eine so wenig gerechtfertigt wie das andere. Weder besteht eine Pflicht, einen Händler- oder Servicepartnervertrag mit all seinen Konsequenzen abzuschließen, noch muss man sich als unabhängiger Betrieb über fehlende Werksunterstützung beklagen, die im Endeffekt viel Geld kostet. Und letztlich kommt es auch gar nicht darauf an, welchem Lager man angehört. Vielmehr ist entscheidend, ob die Qualität stimmt, wie ZDK-Präsident Jürgen Karpinski in einem Interview der KRAFTHAND 11/2017 betont. Zumal er meint, freie Werkstätten hätten in bestimmen Bereichen sogar einen Vorteil.

Zur Wahrheit gehört aber auch:
Gäbe es keinen freien Markt mit unabhängigem Teilehandel und Reparaturwerkstätten, würde der Vertragshandel noch mehr unter den teils überzogenen Auflagen der Hersteller leiden. Denn letztlich wirkt der freie Markt in seiner Konkurrenz zu den Vertragswerkstätten als Gegengewicht. Dies hindert die Automobilhersteller daran, noch ungenierter in die Taschen ihrer Vertragshändler zu greifen.

Stöhnen diese doch schon jetzt über Partnerverträge mit fragwürdigen Klauseln und Investitionsvorgaben, die sie in vielen Bereichen nicht mehr als eigenständige Unternehmer handeln und ­entscheiden lassen. So gesehen sind beide Lager mittelbar und ­unmittelbar aufeinander angewiesen. Und vielerorts hat man das erkannt und kommt gut miteinander aus. Markenhändler machen Geschäfte mit den Freien und erhöhen so ihren Teileabsatz. Und Freie nehmen bei kniffligen Fällen die ­Hilfe von Markenbetrieben in Anspruch – quasi als Subunternehmer.