Interview mit den Autodoktoren

„Im Sinn unseres Handwerks“

KRAFTHAND-Chefredakteur Torsten Schmidt im Gespräch mit Holger Parsch und Hans-Jürgen Faul (v. l.). Bild: Ledermann

Was haltet ihr von Ganzjahresreifen?

Faul:Es kommt auf die Gegend an, in der man wohnt. Hier in Köln und wenn man sich im Winter nur hier aufhält, sind Ganzjahresreifen spitze.

Ihr empfehlt euren Kunden auch Ganzjahresreifen?

Parsch: Ja klar. Aber sobald man in die Berge fährt oder auch nur in die Eifel, müssen es natürlich Winterreifen sein. Aber in der Stadt sind Ganzjahresreifen klasse.

Was haltet ihr vom Getriebespülen?

Parsch: Wir sind dran. Wir gucken uns um und irgendwann werden wir Geräte haben.

Was haltet ihr von Wundermitteln im Tank? Zum Beispiel Additive zur Reinigung von DPF oder Ansaugbrücke?

Faul: Abstand halten.
Parsch: Das Problem ist, alle Studien dazu sind von den Anbietern solcher Mittel. Logisch, dass das Zeug da immer funktioniert. Aber ich weiß nicht, ob das wirklich so ist. Früher bei den K- und KE-Jetronic-Anlagen da haben wir immer einen Einspritz-Ventilreiniger gehabt, der hat tatsächlich funktioniert. Aber bei den heutigen Anlagen bin ich mir einfach nicht sicher.
Faul: Die neuen Injektoren und so weiter sind alle so empfindlich. Und wenn was nicht hinhaut oder gar kaputtgeht, haben wir den schwarzen Peter.
Parsch: Das mit den Additiven ist für uns ein bisschen Voodoo.

Lieber Reifen montieren oder Windschutzscheibe wechseln?

Beide einhellig: Windschutzscheibe wechseln, ganz klar.

Warum?

Faul: Erstens, ich hasse diese schwarzen Dinger.
Parsch: Und zweitens, man verdient mehr Geld.
Faul: Richtig.

AdBlue-Tank lieber mit Kanister oder teurer Befüllmaschine auffüllen?

Faul: Mit Kanister, ist doch ganz einfach.

DPF ist verstopft: Reinigt ihr selbst oder lasst ihr reinigen?

Parsch:Wir schicken ein.
Faul: Wir haben einen Partner, der macht das für uns.

Was ist die nervigste Reparaturarbeit?

Beide überlegen.

Zum Beispiel Achsmanschette wechseln?

Faul: Nein, auch damit verdient man Geld. Eigentlich kenne ich keine nervigen Reparaturen. Es gibt nur nervige Autos.

AU trotz hoher Investitionen in Tester: ja oder nein?

Parsch: Ja, nützt ja nichts. Damit bindet man Kunden. Stichwort: Hauptuntersuchung im eigenen Betrieb.
Faul: Hier gilt dasselbe wie bei der Frage zur Zukunft der Freien. Ich lege mir alle wichtigen Werkzeuge und Geräte zu, um langfristig bestehen zu können.
Parsch: Die AU ist ein Frequenzbringer für mich. Wie auch Reifen. Man verdient vielleicht nicht so gut damit, aber man sieht bei solchen Gelegenheiten zum Beispiel jede Menge Scheiben, die es zu reparieren oder tauschen gibt.

Vielen Dank ….

Das Interview führte Torsten Schmidt.

KRAFTHAND-Chefredakteur Torsten Schmidt (Mitte) hat die Autodoktoren in der Werkstatt von Holger Parsch (rechts) in Köln getroffen.