Kommentar zur Auswirkung der gestiegenen E-Autonachfrage

Freie Werkstätten könnte es früher treffen

Geht es mit dem Umschwung zum E-Auto nun doch schneller als noch vor Kurzem gedacht?  Chefredakteur Torsten Schmidt hat sich darüber Gedanken gemacht und warum eine schnellere Transformation für den freien Reparaturmarkt weniger kritisch ist als für die hiesigen OEMs.

Der Autohandel verzeichnet deutlich gestiegenen Beratungsbedarf zu E-Autos, der in deutlich mehr Verkäufe mündet. Nachdem schon im ersten Quartal 2026 stark gestiegene Neuzulassungen bei E-Autos zu verzeichnen waren, setzte sich dies im April mit einem Plus von 41,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat fort. Bild: ProMotor/T.Volz

Lange hieß es, dass der freie Reparaturmarkt – anders als OEMs und ihre Zulieferer – viel mehr Zeit hat bei der Transformation vom Verbrenner zum E-Auto: Mindestens bis Ende der 2030er, sogar deutlich bis in die 2040er Jahre hinein würden Reparaturen an Autos mit Diesel- und Ottomotoren dominieren. Nicht zuletzt, weil davon auszugehen war, dass bis zum ursprünglich für 2030 geplanten faktischen Verbrennerverbot die Mehrzahl der verkauften Autos einen Verbrenner unter der Haube haben würden.

„Erledigt sich der von vielen vor Kurzem noch lautstark geforderte Ausstieg aus dem Verbrenneraus durch die aktuell stark gestiegene Nachfrage nach E-Autos von selbst? Denn lernen Kunden einmal die Vorzüge von Stromern zu schätzen, kommt es möglicherweise wie bei Handys: Erst hatten sie nur Geschäftsleute, dann einige wenige und am Schluss wollte jeder eins.“

Ob sich diese Vorhersagen noch halten lassen, daran sind Zweifel angebracht. Auch freie Werkstätten könnten es früher mit deutlich mehr E-Autos zu tun bekommen als lange angenommen. Zwar auch, aber gar nicht mal ausschließlich wegen der Öl- und Gaskrise der letzten Wochen, in deren Folge die Spritpreise explodierten und das Interesse an E-Autos befeuert wurde. So berichten Autoverkäufer, dass bis 80 Prozent ihrer potenziellen Kunden nach einem Pkw mit Steckdosenanschluss fragen – sicher getrieben von einer gewissen Hysterie.

Zugleich trifft dieses Nachfragehoch auf stark gestiegene Neuzulassungszahlen von Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb, für die „der Irankrieg keinen messbareren Einfluss hat“, wie der Verband der Automobilindustrie VDA zu Recht konstatiert. Denn der im ersten Quartal 2026 erzielte Zuwachs bei Plug-in-Hybriden (+ 19 % zum Vorjahreszeitraum) und bei E-Autos (+ 33 %) basiert auf Bestellungen, die schon Monate zurückliegen. Demnach kommt das aktuell nochmals gewachsene Interesse an Stromern on top zu einem Trend, den es schon vorher gab – natürlich auch wegen der neu aufgelegten Kaufprämie.

Doch selbst ohne diese Faktoren ist es gut vorstellbar, dass sich in Zukunft viele Familien – zumindest für ihren Zweitwagen – vom Verbrenner abwenden. Damit würden auch in freien Werkstätten vielleicht schon in fünf, sechs Jahren viel mehr E-Autos landen als zunächst erwartet. Das Gute daran: Für die Werkstattbranche wird dies weniger schmerzhaft als für die Automobilindustrie. Denn dort werden nicht nur wegen der geringeren Komplexität und Teilevielfalt weniger Beschäftigte benötigt, sondern auch wegen der chinesischen Konkurrenz. Letzteres zumindest müssen hiesige Handwerksbetriebe nicht fürchten.

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