Berufsschulen im Wettbewerb

Bei der Kfz-Nachwuchschallenge Camp der Champs nehmen in diesem Jahr erstmals zwei Berufsschulen teil. Warum das Format die Azubis und Lehrer begeistert und die Lernleistungen spürbar steigert.
Mittlerweile veranstaltet die ATR Service GmbH mit ihren Partnern und Sponsoren deutschlandweit 32 Vorrunden des Camps der Champs. Der Nachwuchswettbewerb wächst stetig und auch Berufsschulen zeigen bereits Interesse daran, ihre Schüler bei dieser Challenge herauszufordern.
Im Camp 2026 erstmals dabei ist das Oberstufenzentrum (OSZ) Technik in Teltow, bei dem im März zwei Vorrunden exklusiv für die Schüler stattgefunden hatten. An je zwei Tagen lernten 28 junge Kfz-Azubis alles zum Thema moderne Getriebe- und Klimasysteme. Abteilungsleiter Matthias Winter begleitete die beiden Vorrunden: „Die diesjährigen Schwerpunkte waren passend für unser drittes Lehrjahr, denn da gehören diese Themenfelder zum Lehrplan.“ Um also Theorie und Praxis zu verbinden, nahmen alle Schüler des dritten Ausbildungsjahrs teil. Da noch Plätze frei waren, durften auch drei Auszubildende aus dem zweiten Lehrjahr mittrainieren.
Der Gedanke: Die Berufsschule wünscht sich für die Ausbildung ihrer Schüler eine enge Verknüpfung von Theorie und Praxis. Doch in der Schule allein ist das nicht möglich. „Kleine Praxisbeispiele neben dem Arbeitsalltag in den Kfz-Betrieben reichen da einfach nicht aus. Das Umsetzen des neu gelernten Wissens wäre häufiger und länger notwendig“, erklärt Winter. „Oft fehlt uns auch das nötige Equipment.“
Hier kommt das Camp der Champs ins Spiel, denn bei der Vorrunde hatten die Schüler 16 Stunden lang Zeit, das theoretische Wissen auch ins Praktische umzusetzen. „Bei den Schülern kam es sehr gut an, sie lernten über längere Zeit intensiv und konzentriert an einem Thema“, berichtet der Abteilungsleiter.
Überraschende Ergebnisse
Am Ende jeder Vorrunde mussten sich die Berufsschüler einem Test mit 60 Fragen zum Inhalt der letzten zwei Tage stellen. Die Ergebnisse fielen durchweg gut aus, doch überraschend war der Beste unter den Schülern: Ein Azubi aus dem zweiten Lehrjahr hatte 97 Prozent der Antworten richtig und qualifizierte sich damit für das Finale Ende Juni in Hamburg. Dort tritt er gegen die Besten der anderen Vorrunden an und hat dann die Chance, Deutschlands bester Kfz-Nachwuchs des Jahres 2026 zu werden.
Was dem Lehrer ebenso positiv auffiel: Die Ergebnisse aller Teilnehmer waren besser als bei den Klassenarbeiten zu den Schwerpunktthemen. Winters Vermutung: Zwischen den Berufsschulwochen vergehe zu viel Zeit und das Gelernte werde währenddessen verlernt. Auch Norman Syed, Kfz-Fachvorsitzender der gewerblich-technischen Schulen (GTS) in Offenbach am Main, hatte dieses Phänomen bei einer Vorrunde an seiner Schule beobachtet und sieht einen weiteren Grund dafür: „Die Erfahrung zeigt, dass Azubis in der Schule eher schwächer abschneiden, im praktischen Arbeiten jedoch deutlich aufblühen und sehr gute Leistungen zeigen.“
Zeitnahe Umsetzung von Theorie in Praxis
Die GTS Offenbach war bereits 2025 in das Kfz-Nachwuchsprogramm eingestiegen und hatte seine Schüler zu modernen Einspritz- und Aufladungssystemen intensiv geschult (Krafthand berichtete: www.khme.de/gts).
Syeds wichtigste Erkenntnis vom letzten Mal war, dass der zeitnahe Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis eine wichtige Rolle für nachhaltiges Lernen spielt. „Die Azubis waren stark motiviert, das Erlernte direkt in die Praxis umzusetzen und sind dabei teilweise über sich hinausgewachsen“, berichtet der Fachvorsitzende. „Die Veranstaltung war nicht nur für die Azubis, sondern auch für mich ein tolles Erlebnis.“
Hier konnte er fachlich dazulernen, neue Kontakte knüpfen und die Auszubildenden gezielt motivieren. Für ihn war daher schnell klar, dass er die Teilnahme gerne weiterführen möchte – man findet sich mit einem neuen Jahrgang bereits im kommenden Juni zum Schwerpunkt moderne Getriebe- und Klimasysteme wieder zusammen. „Diese Inhalte sind in der Praxis sehr relevant. Ich freue mich darauf, weil ich ebenfalls noch dazulernen kann“, so Syed. Und er empfiehlt anderen Berufsschulen die Teilnahme am Nachwuchswettbewerb: „Das Camp bietet eine sehr gute Möglichkeit, Theorie und Praxis sinnvoll zu verknüpfen und die Motivation der Auszubildenden deutlich zu steigern.“
Das empfindet auch Abteilungsleiter Winter des OSZ Technik Teltow so. Die ursprüngliche Befürchtung im Kollegium, dass der Wettbewerb den Lehrplan „zerreißen“ und den Schülern zwei Tage Unterricht wegnehmen würde, hatte sich nicht bewahrheitet. Die Vorrunden wurden von allen Parteien als gute Ergänzung wahrgenommen. Winter ist sehr zufrieden und möchte mit seinen Kfz-Azubis beim nächsten zum Lehrplan passenden Fokusthema wieder dabei sein.







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