
„Zahnriemen oder Steuerkette erneuern ist schwerer“
Meinungsbeitrag von Krafthand-Chefredakteur Torsten Schmidt zur Batteriereparatur in Vertrags- und insbesondere freien Werkstätten.

Ob Reparaturen von HV-Batterien jemals ein weitverbreitetes Thema für Werkstätten wird – und damit meine ich sowohl Freie als auch die mit Markenlogo –, ist derzeit noch eher fraglich. Zumal bei neuesten E-Modellen, etwa bei der Neuen Klasse von BMW, die Batterien immer größer und schwerer werden und dermaßen in das Thermomanagementsystem und vor allem die Karosserie eingebunden sind, dass deren Ausbau in normalen Werkstätten nur mit enorm viel Aufwand umsetzbar sein dürfte.
Manuelle Diagnose an und Reparatur einer HV-Batterie
Praxisfall: Ein Defekt am HV-System eines Peugeot iON zeigt, dass es sich auch bei E-Autos lohnen kann, Fehlerspeicherangaben durch manuelles Messen zu verifizieren, und dass Batteriereparaturen gar nicht so komplex sein müssen, wie viele meinen. mehr …
Das ändert allerdings nichts daran, dass es bei vielen (kleineren) Modellen absolut kein Hexenwerk ist, eine Batterie auszubauen und zu öffnen (siehe dazu Beitrag hier). Und deshalb darf freien Werkstätten, die für sich entscheiden, irgendwann Batterien reparieren zu wollen, diese Möglichkeit nicht schon im Vorhinein verwehrt werden – nur weil OEMs die Batterie als eine Blackbox betrachten, über die sie am liebsten keine Informationen preisgeben wollen. Meines Erachtens müsste der Gesetzgeber sie noch strikter dazu verpflichten, damit rauszurücken.
„Die Reparatur von
HV-Batterien wird sicher kein Thema für jede Werkstatt und diejenigen, die es machen wollen, werden auch nicht jede instandsetzen können. Aber wer Arbeiten an Akkus, die mit Werkstattmitteln möglich sind oder sein werden, außer Haus gibt, darf dann nicht über geringere Serviceumsätze an E-Autos klagen.“ Krafthand-Chefredakteur Torsten Schmidt
Denn für Batteriereparaturen braucht es nun mal Daten, die sich in dem bald zur Pflicht werdenden digitalen Batteriepass (mehr auf www.khme.de/batteriepass) sicher nicht finden. Zur Reparatur braucht es neben einzelnen Modulen und anderen Komponenten als Ersatzteil aber auch Informationen zu (neuen) Softwareständen und vor allem tiefgehende – und keine oberflächlichen – technischen Unterlagen und Beschreibungen, um die Batterie und das Batteriemanagement verstehen zu können.
Denn fehlendes Know-how wegen mangelhafter Infos sind die viel größeren Hürden als die handwerklichen Herausforderungen. Reinhard Preis, langjähriger ehemaliger Trainer bei Hella Gutmann und heute Ausbilder an der HWK Freiburg, sagt sogar, dass der Wechsel eines Zahnriemens oder einer Steuerkette komplexer sei als beispielsweise der Austausch eines Zellmoduls an einer HV-Batterie, wie ebenfalls ab Seite 12 zu lesen ist. Dass dies bei entsprechenden Batterien kein Hexenwerk ist, habe ich mir zeigen lassen. Damit kann ich all jenen Werkstattbetreibern Mut machen, die Interesse daran haben, sich auf das Thema HV-Batteriereparatur einzulassen und diese Umsätze nicht anderen überlassen wollen.













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