Wer ist der beste internationale Kfz-Profi?

Was die Euro- und WorldSkills sind und was Mechatroniker wissen müssen, die daran teilnehmen möchten, erklärt Jörg Stotz, Bundestrainer für die EuroSkills in der Disziplin Kfz-Mechatroniker.
„Nächstes Jahr erwarten uns besondere EuroSkills“, sagt Jörg Stotz, Bundestrainer für die EuroSkills in der Disziplin Kfz-Mechatronik am Pkw. Der Grund: Im Jahr 2027 hat Deutschland ein „Heimspiel“ und ist erstmals Gastgeber des europaweiten Wettkampfs. Zusammen mit Luxemburg wird die zehnte Ausgabe in Düsseldorf ausgerichtet. „Die Vorbereitungen dazu laufen bereits auf Hochtouren“, so Stotz.
Die EuroSkills und WorldSkills (Skills = Fähigkeiten) sind internationale, jährlich im Wechsel stattfindende Wettbewerbe, bei denen Profis aus bis zu 50 verschiedenen Disziplinen aus Handwerk, Industrie und dem Dienstleistungssektor antreten und die Leistungen in ihren Berufen vergleichen. So werden die jeweils Besten in Europa oder der Welt ermittelt, die sich dann über eine Gold-, Silber- oder Bronzemedaille freuen dürfen. „Da die Leistungsdichte sehr hoch ist, werden Teilnehmer mit überdurchschnittlicher Leistung zusätzlich mit der Medallion for Excellence ausgezeichnet“, so der Bundestrainer. Anschließend werden die Fähigkeiten aller Teilnehmer einer Nation im Ländervergleich eingeordnet. So erzielte Deutschland bei den EuroSkills 2025 in Herning, Dänemark, den ersten Platz. Und in der Einzeldisziplin Kfz-Technik wurde Johannes Renner Zweiter.
Aktuell gibt es für die Disziplin Kfz-Mechatroniker drei Bundestrainer in Deutschland, die Teilnehmer auf die internationalen Wettkämpfe vorbereiten: Jörg Stotz, Bundestrainer der EuroSkills im Skill 33 (Pkw), Stefan Mißbach, Bundestrainer Worldskills im Skill 33 (Pkw) und Thomas Holzmann, Bundestrainer EuroSkills im Skill 54 (Lkw). Alle drei waren selbst WorldSkills-Teilnehmer, haben also eigene Erfahrungen gesammelt und können dem Nachwuchs die nötigen Kniffe und Tricks zeigen, um möglichst viele Punkte zu erreichen.
Das Nationalteam der Kfz-Mechatroniker
Der Skill 33 Automobile Technology (Pkw) setzt sich bei den EuroSkills aus vier Modulen zusammen: Motormechanik, Motormanagementsystem, Komfortelektrik/E-Antrieb und Fahrwerk/Lenkung/Bremse. Jedes Modul dauert drei Stunden und unterteilt sich in drei Teilaufgaben (je eine Stunde), die nach einem bestimmten Regelwerk erstellt werden und meist in der vorgegebenen Zeit nicht vollständig zu bewältigen sind. „Mit der sehr hohen Aufgabendichte und der sehr knapp bemessenen Zeit selektieren wir die Teilnehmer, um die Besten herauszufinden“, erklärt Stotz.
Jörg Stotz, Bundestrainer EuroSkills für Kfz-Mechatronik am Pkw

Jörg Stotz absolvierte seine Ausbildung zum Kfz-Elektriker 2001 bis 2005 beim Bosch Car Service Müller in Elz. Als Teilnehmer beim Euro-Cup 2004 in Brixen in Südtirol konnte er sich noch vor Ende seiner Ausbildung als Teilnehmer zur Berufsweltmeisterschaft 2005 in Helsinki qualifizieren. Dort hat er Deutschland im Skill 33 Automobile Technology (Pkw) vertreten.
2006 besuchte Stotz den Meister-Vorbereitungskurs an der Landesfachschule in Frankfurt und schloss im Juli seine Prüfung als Kfz-Techniker-Meister ab. Danach war er als Meister beim Bosch Service Fay und Schaaf Elz (ehemalig Müller) und überwiegend in der Fehlersuche tätig. Parallel dazu betrieb er ein Studium zum Dipl.-Ing. Maschinenbau (FH). Seit 2018 ist er Experte bei den EuroSkills.
Teilnehmen kann jeder unter 25 Jahren, der sehr viel Ehrgeiz und sehr gute praktische Fähigkeiten sowie Fachwissen in seinem Beruf mitbringt. Außerdem sollte er großem Arbeitsdruck gewachsen sein, gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift haben sowie entsprechende Sozialkompetenzen und Schlüsselqualifikationen aufweisen.
„Eine weitere Grundvoraussetzung ist die Bereitschaft, im Vorfeld und während des Wettkampfs auf sehr viel Freizeit zu verzichten und die Vorbereitungsphase vor anderen Sachen zu priorisieren“, so Stotz. Hierzu wird der fachlich beste Teilnehmer auf nationaler Ebene ermittelt – in Deutschland ist es die Deutsche Meisterschaft des Handwerks (DMH) vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), an der jeweils die Besten der 16 Bundesländer teilnehmen. Die Anmeldung dazu findet über die zuständige Innung oder Handwerkskammer statt.
Der Gewinner sowie weitere mögliche Quereinsteiger, die sich anderweitig qualifiziert haben, bilden das Nationalteam der Kfz-Mechatroniker. Diese Auswahl (meist drei bis vier Qualifizierte) tritt anschließend gegeneinander an, um den finalen Teilnehmer und einen möglichen Ersatzteilnehmer zu ermitteln.
Das Auswahltraining sowie die Vorbereitungen werden oft gemeinsam mit anderen teilnehmenden Nationen durchgeführt. Das reduziert die Vorarbeit für jedes Land und zeigt den Teilnehmern das Leistungsniveau der Mitstreiter auf internationaler Ebene, da die Aufgaben in Art, Umfang und Schwierigkeit bereits an die internationalen Standards angelehnt sind. „Die Erkenntnis hier ist in der Regel, dass sich keiner auf seinen bisherigen Leistungen ausruhen kann“, so Stotz.
Zur fachlichen Vorbereitung gehört auch die Anwendung diverser Werkstattausstattung und moderner Werkzeuge, denn für Bedienfehler im Wettkampf ist keine Zeit. Hinzu kommt die mentale Vorbereitung, in der verschiedene Szenarien und der Umgang mit Herausforderungen durchgespielt werden. „Das macht die Teilnehmer sicher in ihrem Handeln und führt im Idealfall zum reibungslosen Abschluss der Aufgaben ohne Nervosität oder Aufregung“, erklärt Stotz.
Nach der Vorbereitung folgt die Vorbereitung
Während die Vorarbeit für die EuroSkills 2027 in Düsseldorf auf Hochtouren läuft, finden noch dieses Jahr im September die WorldSkills in Shanghai statt. Um dort an die Erfolge vom Wettkampf 2025 in Dänemark anzuschließen, erhält der diesjährige Teilnehmer für die Kfz-Mechatronik an Pkw ein umfangreiches Training, das aktuell in vollem Gange ist. Federführung hat in diesem Jahr Stefan Mißbach, der durch die anderen beiden Bundestrainer und weitere ehemalige Teilnehmer unterstützt wird.
Europameisterschaften der Berufe – wer steckt dahinter?
WorldSkills Europe ist eine gemeinnützige Mitgliederorganisation, die als europäischer Zweig der globalen WorldSkills-Bewegung die EuroSkills-Wettbewerbe ausrichtet. Dahinter stehen nationale Mitgliedsorganisationen aus über 30 europäischen Ländern, die Berufsbildungssysteme vertreten – darunter WorldSkills Germany. Sie fördert Exzellenz in der beruflichen Bildung durch Wettbewerbe.
Der Vorstand wird aus Vertretern der Mitgliedsländer gewählt. Derzeit sind es Persönlichkeiten aus Lettland, Österreich, Finnland, Ungarn und Frankreich. Den Vorstandsvorsitz hat aktuell Ben Blackledge (WorldSkills UK). Die Initiative vernetzt Bildungsakteure, Regierungsbehörden und internationale Industriepartner, um die Bedeutung der beruflichen Bildung auf hohem Niveau in Europa zu stärken.







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