
„Mobilität kennt keine Rezession“
Krafthand-Interview mit dem Hauptgeschäftsführer des BIV-Kfz über eine aktuelle Studie zur Bedeutung des Kfz-Handwerks sowie darüber, ob der klassische Schrauber ausstirbt und was er Werkstattinhabern sagen würde, die an Investitionen in die Zukunft zweifeln.

Eine neue Studie der IW Consult GmbH im Auftrag des Bundesinnungsverbands des Kraftfahrzeughandwerks (BIV-Kfz) zur volkswirtschaftlichen Bedeutung des Kfz- Handwerks (Details siehe hier) bescheinigt dem Gewerk eine hohe wirtschaftliche Relevanz, Krisenfestigkeit und Zukunftsfähigkeit. Doch was bedeutet das konkret für die Werkstätten vor Ort und deren Zukunft? Darüber spricht Dr. Jürgen Gros, Hauptgeschäftsführer des BIV-Kfz, im Krafthand-Interview.
Herr Dr. Gros, so beeindruckend die Zahlen der Untersuchung „Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Kfz-Handwerks“ sein mögen: Warum sollte sich ein Werkstattinhaber für eine volkswirtschaftliche Studie interessieren, die für sein Tagesgeschäft keine unmittelbare Bedeutung hat?
Weil die Studie belegt, was viele Unternehmer jeden Tag leisten. Das Kfz-Handwerk ist nicht irgendein Gewerk, sondern ein zentraler Teil der deutschen Wirtschaft. Für Werkstattinhaber ist das eine wichtige Botschaft: Sie sind ein relevanter Wirtschaftsfaktor.
Die Studie spricht von einer hohen Resilienz des Kfz-Handwerks. Was heißt das übersetzt für den Werkstattalltag?
Ganz einfach: Das Geschäftsmodell trägt auch dann, wenn die Konjunktur schwächelt. Fahrzeuge müssen gewartet, repariert und geprüft werden. Mobilität kennt keine Rezession. Genau deshalb haben sich Kfz-Betriebe in den vergangenen Jahrzehnten oft stabiler entwickelt als Unternehmen in vielen anderen Branchen.
Wird sich diese Erfolgsgeschichte fortsetzen lassen?
Absolut. Die Studie zeigt, dass das Kfz-Handwerk kein Auslaufmodell ist, sondern eine Zukunftsbranche. Wer heute einen gut aufgestellten Betrieb führt, hat hervorragende Perspektiven. Der Mobilitätsbedarf bleibt und angesichts der komplexer werdenden Fahrzeugtechnik werden qualifizierte Werkstätten wichtiger denn.
Das ist eine gute Nachricht. Und dennoch erleben viele die Transformation eher als Belastung.
Transformation kostet Geld, Zeit und Nerven. Aber die größere Gefahr ist, nicht zu investieren. Die Studie zeigt sehr deutlich: Die erfolgreichen Betriebe sind diejenigen, die frühzeitig handeln. Wer Mitarbeiter qualifiziert, in Diagnosetechnik investiert und neue Geschäftsfelder erschließt, baut seine Marktposition aus.
Wo sehen Sie derzeit die größten Chancen?
In Kompetenz. Das klingt simpel, ist aber der entscheidende Punkt. Das moderne Fahrzeug wird immer komplexer. Kunden brauchen Betriebe, die Elektromobilität beherrschen, mit Software umgehen können und technisch immer auf dem neuesten Stand sind. Das schafft Vertrauen und Vertrauen schafft Ertrag.
Bedeutet das: Der klassische Schrauber stirbt aus?
Nein. Aber das Berufsbild entwickelt sich weiter. Der Schraubenschlüssel bleibt wichtig, hinzu kommen Laptop, Diagnosegerät und Hochvolt-Kompetenz. Das Kfz-Handwerk wird nicht weniger handwerklich, sondern technologischer.
Jetzt gibt es aber auch Werkstattinhaber, die sich fragen, ob sich Investitionen in Know-how, Werkzeuge etc. für die Elektromobilität und andere neue Technologien wirklich rechnen? Was würden Sie diesen sagen?
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob sich die Investition lohnt. Die Frage lautet, ob man es sich leisten kann, darauf zu verzichten. Die Fahrzeuge auf den Höfen und in den Werkstätten verändern sich bereits. Wer warten will, kommt zu spät.
Kommen wir zurück zur Studie, die auch die Ausbildungsleistung der Kfz-Betriebe hervorhebt. Warum ist das für die Zukunft so entscheidend?
Weil der Wettbewerb der Zukunft nicht nur um Kunden, sondern auch um Fachkräfte geführt wird. Wer heute ausbildet, sichert sich morgen Know-how und Produktivität. Unsere Ausbildungsleistung ist deshalb kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Betriebs.
Herr Dr. Gros, wenn Sie den Werkstattinhabern zum Schluss eine Botschaft mitgeben könnten, welche wäre das?
Die Zukunft des Kfz-Handwerks wird nicht in Berlin, Brüssel oder den Vorstandsetagen der Hersteller entschieden. Sie wird in den Betrieben entschieden. Wer heute in Menschen, Wissen und Technik investiert, wird auch morgen zu den Gewinnern gehören. Das ist die vielleicht wichtigste Botschaft dieser Studie.
Herr Dr. Gros, herzlichen Dank.
Das Interview führte Torsten Schmidt.








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