
Neue Ära der Kfz-Diagnose
Getrieben durch die softwaredefinierten Fahrzeuge geht bei den OEMs der Trend zur serviceorientierten Diagnose, auch Service-Oriented Vehicle Diagnostics (SOVD). Damit einher geht ein ISO-Standard, der dem freien Markt zugute kommen könnte, meint Chefredakteur Torsten Schmidt.

Daten aus vernetzten Fahrzeugen aus der Ferne abzufragen, ist nichts Neues. Insofern war ich erstmal nicht überrascht, als ich mir auf der Automechanika im Septmeber den Autonomous SOVD Diagnostic Agent von AVL Ditest erklären ließ. Dieser von dem Unternehmen entwickelte und bei einem OEM zum Einsatz kommende Agent soll nämlich genau das ermöglichen. Wobei es aber nicht einfach nur um einen Remoteservice geht. Die vier Buchstaben SOVD stehen vielmehr für einen Wandel bei der Datenabfrage aus Autos. Heutige steuergerätezentrierte Diagnoseansätze dürften demnach ein Auslaufmodell sein und von der „Service-Oriented Vehicle Diagnostics“ (SOVD) abgelöst werden.
Getrieben ist diese Entwicklung durch die softwaredefinierten Fahrzeuge (SDVs für Software-Defined Vehicles). Denn deren veränderte Fahrzeugarchitektur hin zu zonalen Bordnetzen mit zentralen Rechnern (Krafthand berichtete) bringt Bewegung in die Art und Weise der Datenabfrage. Diese kommen dann etwa aus einer Cloud beziehungsweise Over-the-air und nicht mehr über die OBD-Schnittstelle. Eine solche Cloud gehört zum Konzept der serviceorientierten Datenabfrage, die es OEMs etwa mit Hilfe von KI-Agenten unter anderem ermöglicht, anhand der Informationen eines bestimmten Modells aus der Flotte Probleme besser analysieren und per Software-Update oder Serviceaktion abstellen zu können, bevor es zu Schäden an teuren Bauteilen und aufwendigen Rückrufen kommt.
Natürlich wird SOVD auch den Markenwerkstätten dienen: Sie können Diagnoseinformationen oder gezielt servicerelevante Daten abfragen. Zudem werden etwa von der AVL-Ditest-Agentenlösung Diagnose-, Reparatur- und Wartungsprozesse in der Werkstatt selbstständig gesteuert. Das führt automatisch zu der Frage: Geraten freie Werkstätten damit ins Hintertreffen? Nicht unbedingt – denn wie der für den Autonomous SOVD Diagnostic Agent zuständige AVL-Experte erklärte, gibt es – für mich unerwartet – nun für serviceorientierte Kommunikationslösungen bereits einen Standard, der erst vor wenigen Monaten in eine ISO-Norm für den Datenzugang gegossen wurde.
Und diese könnte zu gegebener Zeit auch Dienstleistern und Geräteentwicklern für den Aftermarket das Leben erleichtern. Zumindest, wenn einzelne OEMs nicht trotzdem wieder ihr eigenes Süppchen kochen. Doch angesichts des Preisdrucks, unter dem hiesige und europäische Autobauer stehen, wäre es nicht klug, auf solche, die Kosten reduzierenden, Standards zu verzichten.















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