
Reichweitenstarker Luxus-SUV
Kia bringt mit dem EV9 ein weiteres Modell heraus, das auf der Plattform E-GMP basiert. Krafthand ist den SUV probegefahren.

Nach dem Kia EV6, der als Crossover-SUV das Debüt der E-GMP-Plattform gab, gibt es nun den EV9. Als reiner SUV bietet er reichlich Platz – für sieben Personen aufgrund der dritten Sitzreihe. Das geräumige Platzangebot innen schlägt sich auch auf die Außenmaße nieder: Mit einer Länge von 5.015 und einer Breite von 1.980 Millimetern sowie einem Wendekreis von 12,4 Metern ist das Fahrzeug nicht unbedingt als Stadtauto geeignet. Seine Vorteile liegen klar im Zurücklegen längerer Strecken. Dazu passt nicht zuletzt die Traktionsbatterie, die mit einem Fassungsvermögen von 99,8 kWh Strom die Energie für bis zu 563 Kilometer liefern kann.
Batterie und Laden
Den EV9 gibt es als Hecktriebler mit 150 kW/204 PS, als Allradversion mit 283 kW/385 PS oder als betont sportliche GT-line-Ausführung – unser Testwagen hatte Heckantrieb. Alle Ausstattungsvarianten haben eine Systemspannung von 800 Volt gemein, ein Merkmal der E-GMP Plattform. (Über technische Details der Plattform berichtete Krafthand in Ausgabe 13-14/2021 und online auf www.khme.de/gmp.) Bemerkenswert ist die Ladegeschwindigkeit von 210 kW: Ist der EV9 an einer 800-Volt-Ladesäule angeschlossen, lässt er sich unter Idealbedingungen in 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen (entspricht 249 Kilometer Reichweite in 15 Minuten).
Assistenzsysteme und Konnektivität
Als erster Kia lässt sich der EV9 über den Connect Store updaten und upgraden. Besonders die Möglichkeiten der Upgrades sind dabei interessant: etwa der Remote-Parkassistent 2.0, welcher ferngesteuertes Ein- und Ausparken bietet. Doch nicht nur die Komfortsysteme lassen sich dadurch erweitern, auch der Antrieb kann aufgewertet werden. Zum Beispiel das Drehmoment des Frontmotors: Es beträgt bei der GT-line 350 Nm und in der Allradvariante 250 Nm. Künftig haben Nutzer von Allradfahrzeugen die Möglichkeit, das Drehmoment über den Store auf 350 Nm zu erhöhen. Dadurch verbessert sich die Beschleunigungszeit von null auf 100 km/h von 6,0 auf 5,3 Sekunden.

Ein hilfreiches Instrument ist die Navigation per EV-Routenplaner, der serienmäßig an Bord ist: Das System berücksichtigt beim Eingeben der Zieladresse den aktuellen Ladezustand der Batterie und schlägt, falls erforderlich, Zwischenstopps zum Laden vor. Diese werden kontinuierlich aktualisiert und signalisieren per Symbol, ob und wie viele Ladesäulen frei sind. Die zum Laden notwendige Wartezeit addiert der Computer auf die Fahrtdauer – somit ergibt sich eine genaue Uhrzeit, zu der man sein Ziel erreicht. Nicht mehr neu, aber nennenswert: An kalten Tagen arbeitet der EV-Routenplaner mit der Batterie-Vorkonditionierung zusammen. Der Akku wird also rechtzeitig vorgewärmt, sobald das Fahrzeug eine Schnellladestation ansteuert – so lässt sich die verfügbare Leistung der Ladesäule bestmöglich nutzen.
Meinung zum Kia EV9
Sebastian Schuster
Meine bisherige Ansicht zu Elektroautos bezüglich Reichweite: auf längeren Strecken wenig sinnvoll, denn es geht zu viel Zeit zum Laden drauf. Diese Meinung konnte ich auf einer knapp 300 Kilometer langen Dienstreise (einfacher Weg) mit dem EV9 auf die Probe stellen: Zu Beginn empfahl mir das Navigationssystem zwei Ladestopps, die ich auch ansteuerte. Beim Laden fiel mir die hohe Ladeleistung von rund 200 kW sehr positiv auf. Dadurch verringerten sich meine Zwangspausen auf ein erträgliches Maß von je ungefähr 18 Minuten, bis der Akku 80 Prozent Ladezustand erreichte. Weil danach die Ladeleistung stark abfällt, beließ ich es dabei.
Einen weiteren Pluspunkt erhält der EV9 aufgrund seines großzügigen Raumangebots: Sieben Personen finden auf drei Sitzreihen Platz. Das ist für einen Stromer zum jetzigen Zeitpunkt außergewöhnlich. Leider ist der Einstieg in die hintere, dritte Sitzreihe ziemlich unkomfortabel. Daran ändert auch die elektrische Sitzverstellung der zweiten Reihe nichts. Hier stellt sich eher die Frage, ob es diesen Stellmotor braucht. Das gilt auch für die Tankklappe oder den Frunk, die beide elektrisch geöffnet werden können – teilweise per Fernbedienung. Diese hat so ihre Tücken, weshalb eine Kollegin aus der Redaktion bemängelte: zu viele Funktionen und zu kleine Taster, die präzises Bedienen erschweren. Leicht erwischt man den falschen Befehl. Ein Lob gebührt aber den Fahrerassistenzsystemen, die in koreanischer Manier nicht zu aufdringlich, sondern dezent und dosiert eingreifen.








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