Kommentar zur Kostensenkung bei Unfallreparaturen

Gebrauchtteile sind keine Lösung

Torsten Schmidt, Chefredakteur

„Die stark gestiegenen Kosten für Unfallreparaturen haben vielfältige Gründe, liegen aber auch daran, dass der freie Teilemarkt zu wenig als regulierende Kraft zum Zug kommt. So wie es beim normalen Reparaturmarkt der Fall ist“, meint Chefredakteur Torsten Schmidt in seinem Kommentar zur Diskussion um Gebrauchtteile zur Kostensenkung.

Der Vorschlag von Experten, für die Reparatur von Unfallfahrzeugen Gebrauchtteile heranzuziehen, gefällt nicht jedem in der Kfz-Branche, wie sich im Beitrag „Diskussion um Gebrauchtteile für Unfallreparaturen“ nachlesen lässt.

Doch bevor an dieser Stelle ein falscher Eindruck entsteht: Noch ist es nicht so weit. Es gibt zuerst einige Hürden zu überspringen, die vielleicht auch nie genommen werden. Neben rechtlichen Aspekten könnten das die Kosten für das „schonende Zerlegen“ von Fahrzeugen, das Prüfen und Katalogisieren der Teile sein. Dafür ist einiges an Aufwand notwendig, sodass man sich durchaus fragen kann, ob dann im Vergleich zu neuen Originalteilen tatsächlich eine spürbare Ersparnis herauskommt. Denn einzig darum geht es: Versicherungen wollen und müssen die explodierenden Reparaturkosten bei Haftpflicht- und Kaskoschäden drücken, um ihre Defizite und Versicherungsprämien irgendwie im Zaum zu halten.

Für mich ist es jedenfalls schwer vorstellbar, dass dies mit Gebrauchtteilen spürbar gelingen kann. Dafür kracht es viel zu oft und damit ist der Bedarf an Blechteilen aller Couleur viel zu hoch. Vor diesem Hintergrund müsste der Aftermarket gestärkt werden, in dem sich viele Zulieferer tummeln und durch deren Konkurrenz untereinander keine monopolartige Preisgestaltung möglich ist. Denn ist nicht das die Ursache? Gerade bei sichtbaren Blechteilen und Scheinwerfern, also typischen Komponenten, an denen bei Unfallreparaturen am Original in der Regel kein Weg vorbeiführt. Einerseits, weil unter dem Stichwort Designschutz ein Nachbau von Scheinwerfern, Spiegeln oder Blechteilen teils nicht erlaubt ist und andererseits entsprechen Nachbauteile in Passform und Qualität häufig nicht dem Original. Würden sich diese Aspekte ändern, wäre sicher einiges gewonnen.

Beispielhaft zeigt sich das am Wettstreit zwischen Markenbetrieben und freien Werkstätten. Die einen schöpfen ihre Umsätze durch ein entsprechendes Umfeld und Serviceleistungen, die eben ihren Preis haben, und die anderen durch einen pragmatischen Auftritt und zeitwertgerechte Reparaturen. Nur durch diese Alternative bleiben Wartungen und Verschleißreparaturen auch für weniger zahlungskräftige Autofahrer noch einigermaßen stemmbar. Etwas, das bei den heutigen unverschämten Spritpreisen wichtiger ist denn je.

torsten.schmidt@krafthand-medien.de

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