Kommentar zu OE-Reparaturdatenportalen

Daten, Chinesen und die Freien

Torsten Schmidt, Chefredakteur der Krafthand: „Original-Reparaturdaten kosten leider und teils nicht wenig. Das ist aber immer noch besser, als keine Daten zu bekommen. Schließlich lassen sich so auch im freien Markt fachgerechte Reparaturen älterer Modelle sicherstellen. Dass dies auch dem Image der Marken guttut, hat noch nicht jeder OEM begriffen.“

Kaum ein Inhaber einer freien Werkstatt macht sich aktuell Gedanken darüber, chinesische Autos zu reparieren. Warum auch? Schließlich sind die verkauften Stückzahlen hierzulande nach wie vor übersichtlich und die Fahrzeuge, die schon auf unseren Straßen unterwegs sind, haben ein Alter, bei dem die Besitzer noch nicht von Vertragswerkstätten in den freien Markt abwandern. Allerdings ist davon auszugehen, dass dies eines Tages passieren wird. Also müssen sich irgendwann auch Freie mit chinesischen Modellen auseinandersetzen – zumindest mit den Marken, die sich hier langfristig etablieren werden. Und dafür brauchen Kfz-Profis dann neben Ersatzteilen auch Wartungs- und Reparaturinformationen.

Vor diesem Hintergrund ist in der Redaktion die Idee entstanden, alle relevanten Fahrzeughersteller – also auch die aus unserer Sicht wichtigsten chinesischen – danach zu fragen, wo und zu welchen Konditionen sie freie Werkstätten mit Reparaturinformationen versorgen. Das Ärgerliche bei der aufwendigen und hier nachzulesenden Recherche: Nicht jeder Autobauer hielt es selbst nach mehrmaligem Nachhaken für notwendig, uns seine entsprechende Domain mitzuteilen – darunter auffällig viele Chinesen: Fünf von neun Angefragten gaben keine Auskunft. Und natürlich reagierte auch Tesla nicht auf unsere Fragen.

Ob die entsprechenden OEMs nicht antworteten, weil sie nicht konnten, da überfordert, oder nicht wollten, darüber können wir nur spekulieren. An fehlenden Daten jedenfalls kann es nicht liegen. Denn schließlich sind alle Autobauer laut GVO und teils auch Euro-Normen dazu verpflichtet, dem freien Markt ihre Wartungs- und Reparaturinformationen zur Verfügung zu stellen. Aus dieser lange Zeit auch für viele europäischen OEMs lästigen Pflicht haben einige inzwischen ein willkommenes neues Geschäftsmodell gemacht. Gemäß dem Motto: Mit Daten lässt sich Geld verdienen.

Sicher werden das auch noch chinesische Hersteller für sich entdecken. Denn gerade deren preissensible Kunden sind absehbar in freien Kfz-Betrieben zu erwarten. Spätestens dann brauchen sie originale Reparaturinformationen. Und für Werkstattinhaber ist deshalb natürlich wichtig, den Kostenaufwand für diese Daten in ihrer Kalkulation zu berücksichtigen. Auch wenn die Rechtfertigung dafür gegenüber den Kunden teils nicht einfach sein mag.

torsten.schmidt@krafthand-medien.de