Eine ratlose Kundin kam vor Kurzem in unsere Werkstatt und schilderte uns, dass ihr rund 2 1/2 Jahre alter Volkswagen Sharan bereits in zwei anderen Kfz-Werkstätten erfolglos geprüft wurde. Die zugrundeliegende Beanstandung lautete: Instrumentenbeleuchtung und Radio sind ohne Funktion. Die zweite Werkstatt schloss sogar einen zusammenhängenden Defekt aus und bot der Kundin die teurere Reparaturlösung – Austausch der beiden Komponenten – an. Aufgrund der Empfehlung eines Stammkunden unseres Hauses bat sie nun uns, den Fehler zu beheben.

Nach der schriftlichen Auftragsannahme stellte unser Kfz-Mechatroniker das Fahrzeug an seinen Arbeitsplatz und begann als erstes, alle Fahrzeugsicherungen zu prüfen. Diese waren jedoch in Ordnung. Da bei diesem Fahrzeugmodell die Instrumentenbeleuchtung dauerhaft in Betrieb ist, prüfte er zunächst die Stromversorgung. Mit Hilfe eines fahrzeugspezifischen Schaltplans stellte der Techniker an Pin 13 des Kombi-Instruments Spannung fest, jedoch fehlte diese Spannung an Klemme 15 der Radio-/Navigationseinheit. Die anschließende Durchgangsprüfung der betroffenen Leitung verlief allerdings positiv.

Bei der Prüfung fiel dem Diagnosefachmann zusätzlich auf, dass – anders als im Schaltplan angegeben – die Spannungsversorgung der Radioeinheit nicht durch Klemme 15 über die Zentralelektrik, sondern über einen gesonderten Ausgang am Kombi-Instrument erfolgt. Deshalb beaufschlagte er zur Überprüfung der Radiofunktion den entsprechenden Anschluss am Gerät mit Batteriespannung – das Radio funktionierte. Somit war ein Defekt am Radio definitiv ausgeschlossen, welcher wiederum in den beiden anderen Werkstätten festgestellt wurde.

Schaltplan-Check

Der Kfz-Profi baute jetzt das Kombi-Instrument aus und prüfte es genauer. Nach Abnahme der hinteren Verkleidung kam die Leiterfolie zum Vorschein. Bei der Sichtprüfung fielen dem Techniker drei etwas seltsame und ungenaue Lötstellen auf. Durch einen befreundeten Kollegen bei Volkswagen bekam er leihweise die Schaltpläne des Kombi-Instruments. Die Durchsicht ergab, dass die Lötstellen einem Transistor mit der internen Bezeichnung ‚Q37’ zuzuordnen waren. Dieser Transistor ist dem Schaltplan zufolge für den Eingang der Klemme 15 und das Regulieren der Helligkeit mittels Dimmer im Lichtschalter zuständig. Zudem wird über den Eingang des Transistors das Spannungssignal der Klemme 15 weitergeleitet. Da jedoch die Lötstelle offensichtlich keinen Kontakt hatte, konnte dies nicht mehr geschehen.

Nach dem Tausch des defekten Transistors, dem Komplettieren sowie dem Einbau des Kombi-Instruments prüfte der Kfz-Techniker die Funktion des Radios und der Instrumentenbeleuchtung erneut – mit Erfolg, alles funktionierte wieder.

Fazit: Die Kundin hatte sich durch das Erneuern des ‚durchgebrannten’ Transistors eine sehr kostspielige Reparatur erspart. Der Kostenaufwand für unsere Fehlersuche und Reparatur war sogar geringer als die alleinige Fehlersuche bei einer der beiden vorangegangenen Werkstätten. Letztendlich hätte der Austausch des Kombi-Instruments sicher auch den gewünschten Erfolg gebracht, aber manchmal lohnt es sich eben, genauer hinzuschauen.

 

Dieser Zu-Ende-denken-Fall ist in folgendem Buch erschienen:

Zu Ende denken… Band 5 – Knifflige Fälle aus dem Werkstattalltag

1. Auflage 2013, von Georg Blenk, 136 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 15,80 Euro

 In Band fünf aus der Reihe ‚Zu Ende denken…‘ beschreiben KRAFTHAND-Leser in zahlreichen interessanten Praxisbeispielen Probleme und Problemlösungen aus dem Werkstattalltag. Gegliedert ist das Buch in die Kategorien
 Elektrik/Elektronik, Motor/Antrieb/Abgasanlage, Bremse/Fahrwerk.

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