Kürzlich schilderte uns ein Stammkunde, dass sein Wolfsburger Mittelklassewagen plötzlich während der Fahrt ausging. Nach mehreren erfolglosen Startversuchen musste er den Straßendienst rufen, um sein Fahrzeug in unsere Werkstatt schleppen zu lassen. Nachdem es abgeladen war, machten wir uns gleich an die Fehlersuche.

Als erstes prüften wir, ob während des Startvorgangs ein Zündfunke vorhanden ist. Zwischen den Elektroden einer Prüfkerze sprang ein kräftiger Funke über. Deshalb schlossen wir die Zündanlage als Ausfallursache aus. Als Nächstes demontierten wir den Kraftstoffvorlauf, um zu sehen, ob die Kraftstoffpumpe während des Startvorgangs Benzin fördert. Auch hier war alles in Ordnung.

Kompressionsprobleme des Motors schlossen wir ebenfalls aus, da sich dieser während des Startvorgangs offensichtlich normal drehte. Deshalb montierten wir als nächstes den Luftansaugstutzen von der Zentraleinspritzung ab, um zu sehen, ob die Einspritzdüse Kraftstoff einspritzt. Dabei stellten wir fest, dass dies nicht der Fall war. Nun zogen wir den vierpoligen Stecker an der Einspritzeinheit ab, um mit der Diodenprüflampe zwischen Pin 3 und 4 das Einspritzsignal während des Starvorgangs zu prüfen. Diese Schnellprüfung zeigte, das dass Ventil nicht angetaktet wurde. Damit war uns klar, dass der Fehler nur am Steuergerät liegen konnte. Nachdem wir sicherheitshalber noch dessen Plus- und Minusversorgung geprüft hatten, erneuerten wir es.

Anschließend sprang der 1,8-er sofort an und lief tadellos. Allerdings nicht allzu lange: Auf einer abschließenden Probefahrt blieb der Wagen wieder plötzlich stehen. Wir schleppten das Fahrzeug zurück in die Werkstatt und stellten bei einer erneuten Prüfung des Einspritzsignals fest, dass dieses wieder nicht vorhanden war. Offensichtlich war auch das neue Steuergerät defekt. Da wir uns nicht vorstellen konnten, dass dieses selbst fehlerhaft war, untersuchten wir die Kabel zum Einspritzventil auf Scheuerstellen – allerdings ohne Erfolg.

„Eigentlich kann es nur noch an der Einspritzdüse liegen“, dachten wir uns. „Entweder hat sie einen Masse- oder Windungsschluss“. Laut unseren Unterlagen muss der Widerstandswert des Ventils zwischen 1,2 und 1,6 Ohm liegen. Die Widerstandsmessung ergab allerdings nur einen Wert von 0,8 Ohm, was auf einen Windungsschluss hindeutete. Deshalb konnte auch ein höherer Strom fließen als normal. Die Folge war eine übermäßige Erwärmung der Endstufe im Steuergerät, weshalb sie nach einiger Zeit durchbrannte.

Nachdem wir die Einspritzdüse und nochmals das Steuergerät erneuert hatten, lief der Wagen anstandslos. Dieser Fall war uns eine Lehre: Bevor wir in Zukunft ein defektes Steuergerät erneuern, werden wir vor allem die zugehörigen Aktoren und Kabelverbindungen prüfen, um teure Wiederholreparaturen zu vermeiden.

Dieser Zu-Ende-denken-Fall ist in folgendem Buch erschienen:

Zu Ende denken… Band 4 – Knifflige Fälle aus dem Werkstattalltag

2. Auflage 2013, von Georg Blenk, 144 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 12,80 Euro

 In Band vier aus der Reihe ‚Zu Ende denken…‘ beschreiben KRAFTHAND-Leser in zahlreichen interessanten Praxisbeispielen Probleme und Problemlösungen aus dem Werkstattalltag. Gegliedert ist das Buch in die Kategorien Elektrik/Elektronik, Motor/Antrieb sowie Bremse/Fahrwerk/Karosserie.

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