Sichtlich verschwitzt klagte vor kurzem ein Vielfahrer unserem Serviceberater sein Leid: „Immer wenn es draußen sehr heiß ist, dauert es lange, bis die Klimaanlage kühle Luft liefert. Für kurze Zeit produziert sie dann ein laues Lüftchen, um urplötzlich eiskalt aus den Ausströmern zu blasen. Nach kurzer ‚Eiszeit’ kommt es dann wieder lauwarm, und das Spiel beginnt von neuem!“

Versehen mit diesen Informationen ging unser Klimaspezialist an die Fehlersuche. Da es sich um eine eigendiagnosefähige Klimaautomatik handelte, las er zuerst den Fehlerspeicher aus, stellte aber keinen Eintrag fest. Auch das Abfragen der Istwerte der Sensoren für die Innenraum- beziehungsweise Außentemperatur blieb ergebnislos. Über einen Stellglied-Test vergewisserte sich der Techniker zudem, dass alle Luftklappen und auch das Heizregulierventil ordnungsgemäß funktionierten.

Als Nächstes prüfte unser Klimaspezialist auf einer Probefahrt mittels Abtasten der Kältemittelleitungen die Systemtemperaturen. Dabei beobachtete er, dass sich um die Saugleitung zum Kompressor langsam eine Reifschicht bildete und auch der Verdampfer und das Expansionsventil langsam vereisten. Gleichzeitig sank die Ausblastemperatur drastisch ab. Minuten darauf taute das Eis jedoch von selbst wieder ab und die Innenraumtemperatur stieg.

Unser Klimafachmann saugte daraufhin das Kältemittel ab, stellte aber eine vorschriftsmäßige Füllmenge fest. Er evakuierte das System 30 Minuten lang. Anschließend befüllte er die Anlage wieder mit Kältemittel und nahm einen Funktionstest vor. Damit hatte er den Fehler zwar weder gefunden noch behoben, jedoch eine Unterfüllung, einen zu hohen Feuchtigkeitsgehalt und störende Fremdgase als Fehlerursachen ausgeschlossen.

Nach dem erneuten Entleeren prüfte er das Expansionsventil sowie das Regelventil des Kompressors auf Fremdstoffe und wurde fündig: Im Verdichter-Regelventil befanden sich Metallpartikel, die offensichtlich aus dem Kondensator stammten. Mit dem Einverständnis des Kunden erneuerte er – nachdem er den Kältemittelkreislauf gründlich gespült und mit Stickstoff ausgeblasen hatte – Kompressor, Kondensator, Filtertrockner sowie das Drosselventil.

Obwohl die Reparatur nicht billig war, verabschiedete sich unser Kunde angesichts des nun wieder angenehm kühlen Innenraumklimas mit einem gut gelaunten ‚heißen Dank’.

 

Dieser Zu-Ende-denken-Fall ist in folgendem Buch erschienen:

Zu Ende denken… Band 3 – Knifflige Fälle aus dem Werkstattalltag

6. Auflage 2017, von Georg Blenk, 120 Seiten zahlreiche Abbildungen, 12,80 Euro

 In Band drei aus der Reihe ‚Zu Ende denken…‘ beschreiben KRAFTHAND-Leser in 67 aktuellen Praxisbeispielen Probleme und Problemlösungen aus dem Werkstattalltag. Gegliedert ist das Buch in die Kategorien
Elektrik/Elektronik, Motor/Antrieb, Bremse/Fahrwerk/Karosserie und Klimatechnik.

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