Ein nicht alltägliches Problem an einem Kölner Mittelklassefahrzeug mit 2,0-l-DOHC-Motor und Automatikgetriebe bereitete uns Kopfzerbrechen. Der Kunde bemängelte zeitweilige Startschwierigkeiten, wobei der Anlasser einwandfrei funktionierte.

Als Erstes testeten wir mit Hilfe einer Prüfzündkerze die Funktion der Zündspule. Da kein Funke zustande kam, musste die Fehlerursache also im Bereich der Zündanlage zu suchen sein.

Im nächsten Schritt prüften wir die Spannungsversorgung von Zündspule und Zündsteuergerät. Beim Startvorgang lag mit 10,5 Volt eine ausreichend hohe Versorgungsspannung an. Mit einer in Reihe geschalteten Glühlampe führten wir zudem eine Spannungsprüfung unter Last durch. Auch diese Werte gingen in Ordnung. Als Nächstes stand der OT-Geber auf unserer Prüfliste, obwohl uns dieses vorerst als unplausibel erschien – zumal bis zu 20 Startversuche nötig waren, um die Kundenbeanstandung zu reproduzieren. Eine Signalüberprüfung ergab die in den Herstellerunterlagen geforderte Wechselspannung von 1,2 Volt. Zusätzlich checkten wir die Referenzspannung am Drosselklappen-Potenziometer und stellten fest, dass damit auch die Versorgungsspannung am Motorregelungsmodul (EEC-V) gewährleistet war. Deshalb tauschten wir das Zündsteuergerät. Doch auch mit dem neuen Steuergerät kam es zeitweilig zu besagtem Startversagen. Eine weitere Überprüfung der Ausgangssignale ergab, dass im Falle des Nichtanspringens das Signal am Motorsteuergerät fehlte. Andererseits fiel uns auf, dass der Motor trotz abgestecktem Zündsteuergerät ansprang. Wir suchten nach einer Erklärung für dieses Phänomen und stellten fest, dass selbst bei ausgeschalteter Zündung 2,6 Volt am Zündsteuergerät anlagen. Mit Hilfe des Schaltplans machten wir die Sicherung F37 aus, über die das Zündsteuergerät mit Spannung versorgt wird. Doch auch ohne Sicherung zeigte unser Spannungsmesser 2,6 Volt an. Einen eventuellen Rückstrom über eines der anderen Bauteile im Stromkreis der Sicherung F37 schlossen wir anhand des Schaltplanes aus.

Beim Ausbau des Sicherungskastens stießen wir auf die Ursache: Auf der Unterseite war eine Steckverbindung durch Feuchtigkeit oxidiert! Sie verursachte den zeitweiligen Fehlstrom und das damit verbundene zeitweilige Startversagen.

 

Dieser Zu-Ende-denken-Fall ist in folgendem Buch erschienen:

Zu Ende denken… Band 3 – Knifflige Fälle aus dem Werkstattalltag

6. Auflage 2017, von Georg Blenk, 120 Seiten zahlreiche Abbildungen, 12,80 Euro

 In Band drei aus der Reihe ‚Zu Ende denken…‘ beschreiben KRAFTHAND-Leser in 67 aktuellen Praxisbeispielen Probleme und Problemlösungen aus dem Werkstattalltag. Gegliedert ist das Buch in die Kategorien
Elektrik/Elektronik, Motor/Antrieb, Bremse/Fahrwerk/Karosserie und Klimatechnik.

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