Leseprobe aus Nr. 3 der KRAFTHAND-Praxiswissen-Broschüre „Lichtsysteme in modernen Pkw“. Der Autor beschreibt nachfolgend die Technologie und die Umsetzung des Pixellichts.

Technik

Pixellicht

Das Pixellicht ist eine Weiterentwicklung des Matrix­lichts mit prinzipiell gleicher Zielsetzung. Je nach Fahrsituation können Segmente der Straße sowie des Umfelds einzeln ausgeleuchtet oder weggeblendet werden. Über je mehr einzelne Lichtquellen beziehungsweise LEDs ein Scheinwerfersystem verfügt, desto selektiver können einzelne Segmente an- und ausgeschaltet werden. Beim in Serie verfügbaren Matrixlicht sind maximal ein paar Dutzend Lichtquellen in Form von einzelnen LEDs im Spiel. Das sogenannte Pixellicht hingegen wartet mit mehreren tausend oder gar zehntausend Lichtquellen auf. Experten sprechen von fein auflösenden Scheinwerfersystemen.

Die Technologie des Pixellichtes (DLP = Digital Light Processing) ist angelehnt an die Kino- oder Beamer-­Technik. Viele tausend, winzig kleine Spiegel werden dabei elektronisch geschaltet und lenken dabei das Licht auf die Leinwand beziehungsweise auf die Straße. Aufgrund der Spiegel wird eine Pixellicht-Einheit auch als Digital-Micromirror-Device (DMS) bezeichnet. Die eigentliche Lichtquelle können LEDs aber auch Laserdioden sein.
An der DLP-Technik arbeiten etliche Auto- und Scheinwerferhersteller. Zu den Schwierigkeiten bei der Umsetzung zählen die Randbedingungen wie Staub, Temperatur, Nässe und Vibrationen im Verkehrsalltag.

Die zweite Methode für die Umsetzung des Pixellichts setzt auf Halbleiterlaser. Sie baut auf einem Micro-Electro-Mechanical-System (MEMS) auf, in dem ein Laser die einzelnen Pixel zeilenweise auf eine Art Bildschirm im Scheinwerfer schreibt. Das kann man sich grob etwa wie in einer alten Fernsehbildröhre vorstellen. Das entstandene ‚Bild‘ wird auf die Straße projiziert. Audi hat bereits bekanntgegeben, dass sich die Entwickler mit dieser Technik befassen.
Die beiden bisher beschriebenen Verfahren haben einen großen Nachteil. Sie benötigen viel Bauraum. Das Scheinwerfergehäuse ist also sehr groß. Das widerspricht dem Designtrend in der Autoindustrie, der immer kleinere Scheinwerfer fordert.

Der dritte Technologieansatz könnte das Problem der Baugröße lösen. Bei der sogenannten Liquid Crystal-­Display-High-Definition-Technologie (LCD-HD) lässt eine Flüssigkristallanzeige das Licht von Leuchtdioden durch oder schirmt es ab. Mit dieser Technik lassen sich den Ingenieuren des Scheinwerfer-Spezialisten Hella zufolge bis zu 30.000 Lichtpunkte, also Pixel, kreieren. An der Entwicklung ist Porsche beteiligt.

MEMS oder LCD-HD sind noch nicht serienreif. Etwas schneller könnte es beim sogenannten Micro-Advanced-Frontlighting-System (µAFS) gehen. Die technologie entstand in Zusammenarbeit von Osram mit Daimler und dem Scheinwerferhersteller Hella. µAFS bietet rund 3.000 Pixel pro Scheinwerfer, die alle einzeln angesteuert werden können. Jeder Pixel ­entspricht dabei einer LED. Die ersten Serienscheinwerfer dürften schon bald ab Werk erhältlich sein. Auch DLP liegt gut im Rennen und soll laut Daimler im ­Maybach seinen Dienst tun.

 

 

 

Dieses Kapitel ist in folgender Fachbroschüre erschienen:

Lichtsysteme in modernen Pkw

3. überarbeitete Auflage 2018, von Fritz Lorek, 56 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 24,95 Euro

 

Inhalt (Auszug)

  • Die Geschichte des Autolichts
  • Grundtypen von Scheinwerfern, Vor- und Nachteile, Signalbeleuchtung: Blinker, Bremslicht
  • Neue technische Lösungen: Das richtige Leuchtmittel – Qualität, Leistungsversprechen
  • Die wichtigsten Lampentypen/Energieverbrauch durch Autolicht
    Neu: LED – Weiterentwicklungen (Matrixlicht, Pixellicht, LCD)
  • Das Einstellen der Scheinwerfer, Diagnose mit dem Tester, Lampentausch
  • Rechtliche Aspekte zum Autolicht, erlaubt und verboten
  • Neu: Licht bei der Hauptuntersuchung/die neue Scheinwerfereinstellrichtlinie
  • Neu: Zukunftsmusik: Was in Zukunft kommt und sich durchsetzen wirdurchsetzen wird