Matthias Wissmann über die IAA 2013: Stabilitätsanker in schwierigen Zeiten – Zwei wichtige Innovationsthemen

"Wir müssen den bedarfsgerechten Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur forcieren", so Wissmann im Vorfeld der IAA.

VDA-Präsident Matthias Wissmann sprach anlässlich einer Web-Telefon-Pressekonferenz im Vorfeld der IAA von einer schwierigen Pkw-Konjunktur in Westeuropa. Die IAA sei jedoch einmal mehr ein Stabilitätsanker. Die Messe präsentiert sich 2013 mit einer Ausstellungsfläche von rund 230.000 Quadratmetern ähnlich stark wie 2011. Mit 1.091 Ausstellern überträfe diese IAA sogar das bereits hohe Niveau der vergangenen Messe, so Wissmann.

Offiziell eröffnet wird die IAA  am Donnerstag den 12. September 2013 von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Ein starkes Signal, denn die Messe bleibt 2013 der international bedeutendste Treffpunkt der automobilen Welt, so Wissmann. Dies zeige auch der gestiegene Anteil ausländischer Aussteller, der bei 42 Prozent liegt und damit deutlich höher ist als auf der letzten IAA (2011: 32 Prozent).

Die zunehmenden automobilen Aktivitäten im Wirtschaftsraum Asien wirken sich auch auf die IAA aus: Ebenfalls 42 Prozent der ausländischen Aussteller kommen aus dem asiatischen Raum. Der Anteil hat sich damit gegenüber 2011 mehr als verdoppelt (2011: 19 Prozent.). Die Zahl der chinesischen Zulieferer, die zur IAA als Aussteller kommen, hat sich gegenüber dem Jahr 2011 mit 129 sogar verzehnfacht. China ist damit klar auf Platz 1 rein nach der Zahl der ausländischen Aussteller, gefolgt von Großbritannien(85 Aussteller), Frankreich (34) und Japan (31). Aus den USA kommen 21 Aussteller. Insgesamt sind auf der IAA Austeller aus 35 Ländern vertreten, neu dabei sind zum Beispiel Thailand und Indonesien.

Die IAA ist die einzige unter den großen Automobilmessen der Welt, auf der nicht nur Hersteller, sondern die komplette Zulieferindustrie und damit die gesamte Wertschöpfungskette des Automobils vertreten ist – mit steigender Tendenz: Die Zahl der Zulieferer, die auf der 65. IAA Pkw ausstellen, hat deutlich zugenommen. Sie liegt mit 380 um 25 Prozent höher als 2011 (305). 55 Prozent der ausstellenden Zulieferer kommen aus dem Ausland.

Die IAA wird immer internationaler, und ihre Besucher werden immer jünger, so Wissmann – während das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Deutschland ansteigt. Bei der IAA 2011 waren die Besucher im Schnitt 35 Jahre alt, im Jahr 2009 lag das Alter noch bei 36 Jahren. Das ist ein bemerkenswerter Fakt und unterstreicht das ungebrochene Interesse auch der jungen Generation an individueller Mobilität, so Wissmann. Bei den Eintrittspreisen senden wir ein weiteres klares Stabilitätssignal: Die Preise für IAA-Eintrittskarten (13 Euro werktags, 15 Euro an den Wochenenden) sind seit nunmehr zehn Jahren stabil.

Die 65. IAA Pkw prägen technologisch zwei wichtige Innovationsthemen:
Die Elektromobilität und das vernetzte Fahrzeug.

Die IAA zeige laut Wissmann: Die Elektromobilität sei keine Vision mehr, die E-Autos kämen jetzt auf die Straße. Die Palette reicht vom rein batterie-elektrischen Auto über den Plug-in-Hybrid bis hin zum Fahrzeug mit Reichweitenverlängerung, ergänzt durch Brennstoffzellenfahrzeuge. Die IAA macht damit das Fenster zur Zukunft ganz weit auf. Allein die deutschen Pkw-Hersteller bringen bis Ende kommenden Jahres 16 Serienmodelle mit elektrischem Antrieb auf den Markt. Auch die Importeure sind mit spannenden Modellen mit alternativen Antriebskonzepten vertreten. Noch befinde sich dieser Markt auf niedrigem Niveau, doch wir beobachten hohe Zuwachsraten, erzählt Wismann. So haben sich die Verkäufe von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen seit 2007 jährlich verdoppelt. Das Ein-Millionen-Ziel, das sich Deutschland für die Jahrzehntwende 2020 vorgenommen hat, ist erreichbar, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Dafür käme es auch darauf an, dass die EU die Innovationsanstrengungen der Industrie unterstützt, anstatt durch starre Regulierung und unnötige Bürokratie technologische Entwicklungen zu behindern. In Deutschland haben wir durch die konzentrierte Zusammenarbeit von Wissenschaft, Industrie und Politik in der Nationalen Plattform Elektromobilität bereits erhebliche Fortschritte erzielt. An wichtigen Stellschrauben sollte allerdings noch gedreht werden, um dieser Technologie weiterhin Schub zu geben.

Wissmanns Empfehlungen an die Politik sind:

  • Angemessene Mehrfachanrechnung von Elektrofahrzeugen auf den CO2-Flottenwert (Supercredits) durch die Europäische Union
  • Sonderabschreibungsmöglichkeiten für Elektroautos, die als Firmenwagen genutzt werden
  • Bedarfsgerechter Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur
  • Konsequentes Vorantreiben der internationalen Normung und Standardisierung

KRAFTHAND-Online berichtet in einem Flashlight die Tage ‚live‘ von der IAA in Frankfurt. Wer sich für spezielle Fahrzeuge interessiert, ist auf www.facebook.com/krafthand herzlich eingeladen seine Anregungen zu äußern.