Hickhack um die Kalibrierpflicht

Torsten Schmidt, Chefredakteur der KRAFTHAND

unsere Branche diskutiert zur Zeit allerlei Themen und Szenarien – vom Dieselskandal einschließlich Fahrverbote, über Gefahren und Chancen der Digitalisierung bis zur E-Mobilität, die Arbeitsplätze kosten und im Reparatursektor die Umsätze senken soll. Viel ärgerlicher für die Werkstätten sind jedoch gesetzliche Vorgaben, die einiges an Investitionen verlangen: AU. Bremsprüfung. Scheinwerferprüfung. Jeder Betriebsinhaber weiß, wovon die Rede ist und wie viel ihn die neuen Richtlinien bereits gekostet haben. Zwar ist es grundsätzlich nicht verkehrt, dass die HU-relevanten Prüfungen auf neue Beine gestellt wurden. Über das Wie, kann man aber nur den Kopf schütteln.

Schlimm genug, dass mit der Scheinwerfer-Prüfrichtlinie, die uns seit Jahren beschäftigt (!), nach Ansicht verschiedener Experten in Sachen Oberflächenbeschaffenheit der Aufstellflächen mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde. Völlige Verwirrung kommt jedoch auf, wenn die brandneue Fassung, in der sich vorrangig Neuheiten zur Kalibrierung des Einstellplatzes und somit für die Kalibrierdienstleister finden, schon wieder einer Korrektur bedarf.

Diese nach Redaktionsschluss erschienene Änderung veröffentlichen wir zeitnah online und in der nächsten KRAFTHAND. Sie wurde notwendig, weil sich zukünftige Kalibrierungen nach der Richtlinie als formelles Problem darstellen. Im Klartext: Nach der aktualisierten Richtlinie müssten sich zahlreiche Dienstleister neu akkreditieren. Das ist aber auf die Schnelle gar nicht möglich, sodass sie noch bis Ende 2020 mit ihren alten Akkreditierungsurkunden weiterprüfen.

Das erinnert doch sehr an das Hickhack um die Kalibrierpflicht für AU-Geräte. Diese seit Anfang des Jahres geltende Vorschrift haben diverse Bundesländer bereits flugs durch Übergangsregeln quasi ausgehebelt. Gleich wegen mehrerer Probleme, wie der Beitrag „Der neue AU-Kosmos“ beschreibt.

Angesichts solcher Beispiele, wünschte ich, dass die Lobbyisten, die an dieser Richtlinie mit gearbeitet haben, und die verantwortlichen Amtsträger in den Ministerien die Dinge auch einmal zu Ende denken bevor sie handeln – genauso wie das Kfz-Profis immer wieder in unserer gleichnamigen Rubrik tun.