Flashen via OBD-Schnittstelle bald unnötig?

Laut Bosch wird ­bereits daran gearbeitet, dass der im Bild ­zu sehende OBD-Anschluss für ein Systemupdate nicht mehr gebraucht wird. Bild: Zink

Ein Software-Update ist in der Regel die Angelegenheit einer Markenwerkstatt. Prinzipiell stehen freien Fachbetrieben durch die Pass-Thru-Lösung zwar die gleichen Mittel zur Verfügung – bekanntlich aber mit dem ein oder anderen Hindernis. Das könnte sich nun von selbst erledigen, denn Bosch sagt voraus, dass sich Updates bald über das Mobilnetz des Fahrzeugs automatisch aufspielen.

Updates over the air, so nennt Bosch eine nicht allzu ferne Zukunftsvision. Die Idee ist, die Steuergerätesoftware im Auto buchstäblich im Vorbeifahren zu aktualisieren. Der Technologiekonzern betont, dass ja auch „Updates aus der Luft” bei Smartphone-Apps heute problemlos funktionieren. Warum also nicht ebenso im Fahrzeug? Schließlich ist das moderne Automobil heute mehr und mehr vernetzt – mit dem Internet, anderen Autos und sonstigen Infrastrukturen. Vereinfacht gesagt: Das Auto ist bereits ein Smartphone auf Rädern.

Natürlich sind die Anforderungen an die aufzuspielende Software beim Fahrzeug um einiges höher. Neue Verschlüsselungstechnologien müssen deshalb ein schnelles und vor allem sicheres Update über die mobilen Netze ermöglichen. Der Zulieferer gibt an, aus diesem Grund die drahtlosen Updates für sämtliche Anforderungen aus einer Hand zu entwickeln. Von Steuergeräten und der Kommunikationsinfrastruktur im Auto bis zu den Verschlüsselungstechnologien.

Eines der Hauptargumente des Herstellers für diese Technologie ist die Zeit­ersparnis für den Autobesitzer. Aber neben der offensichtlichen Zeitersparnis für den Autofahrer sind natürlich auch die Fahrzeughersteller sehr an dieser Technologie interessiert. Denn viele Rück­rufaktionen ließen sich auf diesem Weg ohne aufwendige Kundenanschreiben und kostspielige Werkstattaufenthalte durchführen.

Laut einer Studie auf Basis von Daten der US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit sind 15 Prozent der Rückrufe in den USA im Jahr 2015 auf Software-Updates zurückzuführen. Zum Vergleich: Vier Jahre zuvor waren es lediglich fünf Prozent. Obwohl Bosch nicht weiter darauf eingeht, dürfte der Sachverhalt in Deutschland ähnlich aussehen. Dr. Markus Heyn, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, betont deshalb auch: „Der Aufwand der Werkstattbesuche für Automobilhersteller und Endkunden ist enorm und kann durch Online-Updates deutlich reduziert werden.“

Neue Standards sind gefragt

Die steigende Anzahl der Rückrufe ist sicher auch auf die steigende Anzahl an Steuergeräten zurückzuführen, die mit ihrer Software nahezu alle Funktionen im Auto kontrollieren. Zudem steigt auch die schon erwähnte Vernetzung der Fahrzeuge immer weiter an. Damit wächst das Risiko für Schwachstellen in der Fahrzeugsoftware und macht Manipulationen möglich. Angaben zufolge stellen vor allem regelmäßige Software-Updates eine Möglichkeit dar, um Autos automatisch mit neuen Sicherheitstechnologien zu versorgen.

Eine Cloud-Lösung würde sich somit anbieten. Zudem könnten die Cloud-Updates zusätzliche und umfassendere Funktionen ermöglichen. Ist die erforderliche Hardware im Auto verbaut, ließe sich beispielsweise eine neue Softwarefunktion aufspielen, wie etwa Funktionen, die die Spur halten oder das Parken vereinfachen.

Laut Bosch könnte ein Over-the-air-Update in etwa so funktionieren: Auf dem Smartphone oder über das Infotainment-System im Auto lassen sich sowohl die Online-Sicherheits-Updates starten als auch neue Funktionen auswählen, die geladen werden sollen. Diese Informationen gehen an die Cloud, die sie wie ein App Store bereitstellt und den Download der Software direkt ins Fahrzeug startet.

Die Daten werden entweder während der Fahrt im Hintergrund oder über Nacht in der heimischen Garage geladen. Sobald das Fahrzeug in einem sicheren Zustand ist, also beispielsweise parkt, werden die Software-Updates auf den entsprechenden Steuergeräten installiert und sind unmittelbar wirksam.

Sicherheit hat oberste Priorität

Der Technologiekonzern gibt an, dass die Sicherheit und ein reibungsloses Zusammenspiel von Fahrzeugelektronik, Cloud und Software bei Over-the-air-Updates entscheidend sind. Datensicherheit sollen dabei neueste Verschlüsselungstechnologien ermöglichen, die Bosch in seiner Tochtergesellschaft Escrypt entwickelt. So soll eine komplexe Sicherheitsarchitektur mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung die Datenübertragung vor un­autorisiertem Zugriff schützen. Unter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (englisch: end-to-end encryption E2EE) versteht man übrigens die Verschlüsselung übertragener Daten über alle Übertragungsstationen hinweg. An den Schnittstellen zwischen Auto und Cloud verhindern deshalb sichere Protokolle und Filter, die wie eine Firewall funktionieren, jeden Versuch eines Angriffs.

Damit Over-the-air-Software-Updates nicht nur sicher, sondern auch schnell und zuverlässig funktionieren, setzt der Zulieferer eigenen Angaben zufolge sogenannte Fast-Update-Technologien ein – beispielsweise durch spezielle Kompressionsmethoden. Wie der Name Fast-­Update schon vermuten lässt, sollen sie den Update-Prozess beschleunigen, da das Datenvolumen für die Übertragung relativ gering bleibt. Darüber hinaus ermöglicht dieses System eine weitere Sicherheitsmaßnahme: Die Updates laufen in Sequenzen ab. Wenn Probleme auftreten, soll sich der Update-Prozess stoppen lassen, um ihn erneut anpassen zu können.

Technologische Basis für die Over-the-air-Updates des Unternehmens ist die Bosch-Automotive-Cloud-Suite. Ihre Softwarebausteine sollen alle Funktionen für Updates durch die Luft sowohl für Autofahrer als auch Hersteller und Fahrzeuge selbst möglich machen.

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