Leseprobe aus Nr. 15 der KRAFTHAND-Praxiswissen-Broschüre „Vermessen und Einstellen von Pkw-Fahrwerken“. Im Kapitel 4.7 erklärt der Autor die Überprüfung des Lenktrapezes und des Spurdifferenzwinkels.

4.7 Die Überprüfung des Lenktrapezes, Spurdifferenz-­Winkels

Ist die Spur korrekt eingestellt, muss das Lenktrapez überprüft werden. Wie das Ackermannsche Prinzip zeigt, muss das kurveninnere Rad einen engeren Kreisbogen fahren als das kurvenäußere. Das Lenktrapez arbeitet korrekt, wenn es bei langsamer Kurvenfahrt keine Radier-Erscheinungen gibt, also alle Räder in ihrer Rad-Ebene um einen gleichen Mittelpunkt abrollen. Damit die Räder wie beschrieben laufen, ist das Lenktrapez so konstruiert, das sich die fiktiven Verlängerungen der Spurstangenhebel in kurzem Abstand vor der Hinterachse treffen. Auch komplizierter aufgebaute Lenktrapeze, die zum Beispiel mit mehrteiligen Spurstangen arbeiten, funktionieren grundsätzlich identisch.

Wenn das Lenktrapez korrekt arbeitet, ist der Radius-Unterschied bei Lenkeinschlag zwischen dem inneren und dem äußeren Rad in Rechts- und Linkskurven identisch. Grundsätzlich ist dabei eine Differenz von bis zu 40‘ möglich. Um dies zu prüfen, misst der Monteur die Winkeldifferenz bei den Lenkeinschlägen. Dies geschieht standardisiert bei 20° Lenkeinschlag in je eine Richtung. Wenn ein Rad 20° eingeschlagen ist, wird der Wert auf der anderen Seite abgelesen. Die Differenz zu den vorgegebenen 20° ist der sogenannte Spurdifferenz-Winkel. Er wird beidseitig ermittelt und sollte nahezu identisch sein. Ist er nicht identisch, liegt ein Fehler im Lenktrapez vor.

Die Messung des Spurdifferenz-Winkels

Man kann den Spurdifferenz-Winkel auf zwei Arten messen. Welche Methode verwendet wird, hängt vom eingesetzten Achsmess-System ab.

Die Außenrad-Messung

Bei der Außenrad-Messung schlägt der Monteur das innere Rad um 20° ein und misst am äußeren Rad den Spurdifferenz-Winkel. Der Wert beschreibt den Winkel, um den das äußere Rad weniger einschlägt beziehungsweise gedreht wird. Da das äußere Rad einen geringeren Einschlag aufweist als das innere, ist der Wert negativ.

Die Innenrad-Messung

Bei der Innenrad-Messung wird das äußere Rad um 20° nach innen eingeschlagen und der Spurdifferenz-Winkel am inneren Rad gemessen. Der Wert beschreibt den Winkel, um den das innere Rad weniger einschlägt. Es handelt sich um einen positiven Wert.

 

Tipp: Ergeben sich bei den Werten links und rechts Differenzen, bei zuvor korrekt eingestellter Spur, ist in der Regel ein Spurstangenhebel verbogen.
Die Diagnose lässt sich durch spezielle Messungen und Berechnungen untermauern
(siehe Kapitel 4.6).

 

 

Dieses Kapitel ist in folgender Fachbroschüre erschienen:

Vermessen und Einstellen von Pkw-Fahrwerken

1. Auflage 2016, von Jens Sternbeck, 56 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 24,95 Euro

 

Inhalt (Auszug)

• Einleitung (Achsvermessung, Problemfelder, Sensoren)
• Grundlagen der Achsgeometrie
• Vermessung des Lenktrapezes
• Praktische Vorgehensweise bei der Achsvermessung an einem Beispielfahrzeug
o Vorbereitende Maßnahmen (Messplatz)
o Genauigkeit der Messköpfe
o Felgenschlag-Kompensation, Vermessung von Hinterachse und Vorderachse
o Achs-Schrägstand, Vermessung / Einstellung der Vorspurkurve
• Probleme bei der Achsvermessung
• Achsvermessung im Motorsport, Die Messung der Radlasten
• Auswirkungen von Fahrerassistenzsystemen auf die Achsvermessung