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Antrieb

Pro und Contra: Der Diesel wird 125 Jahre alt – war's das mit dem Selbstzünder?

Montag, 10.04.2017 16:13
Am 25. Februar waren es 125 Jahre her, dass Rudolf Diesel 1892 in Berlin das Patent für eine „Neue rationelle Wärmekraftmaschine” anmeldete. Bald darauf treibt seine Maschine nicht nur Schiffe und Kraftwerke, sondern auch Per­sonenkraftwagen an.

Haben Dieselmotoren noch eine Zukunft? Bild: Lanzinger

Rudolf Guranti, KRAFTHAND-Redakteur

Ralf Lanzinger, KRAFTHAND-Redakteur

Aus der heutigen Zeit ist der Dieselmotor nicht mehr wegzudenken. Im Zuge der Massenmotorisierung der Nachkriegszeit war zunächst Mercedes-Benz führend in der Dieseltechnologie auf dem Pkw-Sektor. So richtig salonfähig bei Personenkraftwagen wurden Diesel jedoch erst in den 1990er Jahren – als der Volkswagen-Konzern die TDI-Technik auf die Straße brachte.

Und heute? Ist immerhin jedes dritte Fahrzeug in Deutschland mit einem Dieselmotor unterwegs. Dies nicht ohne Grund. Einerseits wirkt die steuerliche Begünstigung von Dieselkraftstoff stimulierend. Andererseits steht Diesel für Effizienz und ­hohen Wirkungsgrad. So kam schon der erste betriebsfähige Selbstzünder auf einen Wirkungsgrad von 26 Prozent. Und moderne Motoren liegen noch viel höher – Richtung 50 Prozent. Dies senkt den Verbrauch und folglich den Ausstoß von CO2.

In dieser Disziplin sind Dieselmotoren den Benzinern voraus. Anders sieht es jedoch bei den Stickstoffemissionen und Rußpartikeln aus. Und das sind die K.O.-Kriterien für Dieselfahrzeuge gegenüber den Benzinern. Denn die Stickstoffemissionen sind das eigentliche Umweltproblem – und haben, nebenbei gesagt, auch den VW-Abgasskandal ausgelöst. Zusammen mit flüchtigen Kohlenwasserstoffen sind Stickstoffoxide für die sommerliche Ozonbildung verantwortlich. Darüber hinaus lastet man den Dieselmotoren an, erheblich zur Feinstaubbelastung beizutragen.

Nicht zuletzt deshalb sind die Verfechter der Dieseltechnologie in die Defensive geraten. Hierzu tragen nicht nur die Verwerfungen bei Volkswagen bei, sondern auch Diskussionen um Fahrverbote wie beispielsweise in Stuttgart. Hier sollen Fahrzeuge unterhalb der Euro-6-Norm aus der Innenstadt ausgesperrt werden. Schließlich werde in Stuttgart seit Jahren gegen geltendes EU-Recht verstoßen, argumentieren die Befürworter der Fahrverbote. Und tatsächlich: Die Grenzwerte an Feinstaub werden fast täglich überschritten, und das nicht nur geringfügig. Die Anwohner fürchten um ihre Gesundheit und reklamieren das Recht auf saubere Luft. Die Stadtverwaltung sieht sich unter akutem Handlungsdruck. Vielen Branchenkennern gelten die Diskussionen in Stuttgart inzwischen als Menetekel für weitere Fahrverbote in anderen Städten. Einige Experten prognostizieren angesichts dieser Entwicklungen den sicheren Exitus des Diesels. Es ist also tatsächlich fraglich, ob es beim Dieselmotor noch einmal ein Jubiläum, also das 150., zu feiern gibt.

 

PRO UND CONTRA

Pro

Rudolf Guranti, Redakteur

 

Teufelskreis

Ja, der Dieselmotor wird in absehbarer Zeit verschwinden. Das zeigt die gesamte gegenwärtige Diskussion um Feinstaub und NOx. Es wird immer teurer und aufwendiger, die Dieselabgase zu reinigen. Im Gegenzug dazu ist die Hybridtechnik bereits auf gleichem Preisniveau wie Dieselmotoren angelangt. Und wie die Erfahrung von KRAFTHAND mit verschiedenen Testfahrzeugen zeigt, weisen Hybridmodelle inzwischen ähnliche Verbrauchswerte auf wie Dieselmotoren, beispielsweise etwas über fünf Liter auf 100 km. Und es sind vor allem Verbrauchswerte, die dem Diesel ebenbürtig sind.

Worauf beruht denn eigentlich die Erfolgsgeschichte des Diesels? Doch zum wesentlichen Teil darauf, dass der Dieselkraftstoff subventioniert wird – mit einer niedrigeren Mineralölsteuer. Außerdem sind bei Dieselmotoren nicht nur die Partikel das Problem, sondern auch die erhöhten NOx-Werte, siehe VW-Abgasskandal. Und es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass die Umweltauflagen und Grenz­werte beim Diesel weiter verschärft werden. Irgendwann wird er sich schlichtweg nicht mehr rechnen.

Bei der ­Debatte spielen rationale Gründe nicht einmal die Hauptrolle. Vielmehr sind es emotionale Befindlichkeiten, die oftmals ausschlaggebend sind. Egal, ob es gelingt, den Diesel sauber zu bekommen oder nicht. Zu berücksichtigen ist auch der psychologische Effekt. Denn ein Teil der Kunden hat sich bereits vom Dieselmotor entfernt. Dies spiegelt sich bereits bei den Zulassungszahlen wider. Auch der Verfall der Gebrauchtwagenpreise bei Dieselfahrzeugen – was in der Region Stuttgart bereits eingetreten ist. Verkauft sich ein Diesel nicht mehr so gut, dann investieren auch die Hersteller weniger in den Diesel­motor, was wiederum den Verkauf drückt. Ein Teufelskreis, der sich selbst verstärkt und zum Ende der Selbstzünderära führt.

 

Contra
Ralf Lanzinger, Redakteur

 

Umweltpolitischer Wahnsinn

Ja, das Bild des Dieselmotors hat in der Vergangenheit einige Kratzer abbekommen, doch zerbrochen ist es nicht. Denn wie sollen denn beispielsweise SUV und leichte Transporter künftig betrieben werden? Diese Fahrzeuge mit Ottomotoren auszurüsten, wäre umweltpolitischer Wahnsinn, besonders im Hinblick auf den Verbrauch. Dieser gestaltet sich beim Dieselmotor in Bezug zur Fahrleistung einfach besser. Zudem verlangen viele Kunden aktiv nach einem Diesel, schon des besseren Durchzugs wegen. Und auch bei Langstrecken bleibt der Diesel auf lange Sicht noch ungeschlagen. Mit keinem anderen Antriebskonzept sind 1.000 km zu bewältigen – nicht mit einem Benzinmotor und erst recht nicht mit einem E-­Antrieb.

Kein anderes Fahrzeug hat eine vergleichbare Reichweite. Hinzu kommt: Auch moderne Benzin-Direkteinspritzer haben einen erheblichen Partikelausstoß, der immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik gerät. Und die Abgasreinigung von Benzinmotoren gestaltet sich ebenfalls immer aufwendiger. Nicht umsonst müssen Ottomotoren ab 2017 mit Partikelfiltern ausgerüstet werden, um die Grenzwerte einzuhalten. Und ein Aspekt, der gerne vernachlässigt wird: Die Entwicklung des Dieselmotors ist noch lange nicht ausgereizt. Zudem sind aktuell bereits durchaus vielversprechende Versuche mit alternativen Kraftstoffen am Laufen.

Und bei den aktuell diskutierten Fahrverboten sollte man bedenken: Der Feinstaub stammt zu mindestens 80 Prozent von Bremsbelägen und vom Reifenabrieb. Somit macht eine einseitige Aussperrung nur von Dieselfahrzeugen aus den Innenstädten keinen Sinn. Folgerichtig müssten alle Fahrzeuge mit einem Fahrverbot belegt werden – auch die Benziner –, was ebenfalls nicht praktikabel ist. Zudem ist rechtlich noch gar nicht abschließend geklärt, ob Fahrzeuge überhaupt aus Städten ausgesperrt werden dürfen. Es scheint zwar, dass der Zeitgeist bereits das Ende des Dieselmotors eingeläutet hat, doch entschieden ist diese Frage noch lange nicht.

Von: rla

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