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Motorsport/Tuning, Nachrüstung/Tuning

Interview mit Bilstein zum 24h-Rennen und zur Nachrüstung von Fahrwerkskomponenten

Mittwoch, 09.05.2012 11:22
Vom 17. bis 20. Mai findet das 24h-Rennen auf dem Nürburgring statt – zum 40. Mal. Zahlreiche Rennboliden sind mit Stoßdämpfern von Bilstein ausgerüstet. Über Fahrwerktrends hat sich Krafthand-Online mit Rainer Popiol unterhalten, Manager Schulungen und Training bei der Thyssen-Krupp Bilstein Tuning GmbH.

Audi R8: Das Team Phoenix geht bei der 40. Auflage des 24h-Rennens mit dem Audi R8 LMS im blau-gelben Bilstein-Design ins Rennen um den Gesamtsieg.

MDS-Dämpfersystem: Das Modulare Dämpfer System (MDS) von Bilstein ist die Plattform für ein breites Spektrum an Hochleistungsdämpfern für den professionellen Renneinsatz. Bild: Bilstein

Mit der Plattform 'Modular Dämpfer Systems' (MDS) bietet Bilstein Hochleistungsdämpfer speziell für den professionellen Renneinsatz an.

Der Fahrwerkspezialist unterstützt in diesem Zusammenhang beim Langstreckenklassiker, der heuer zum 40. Mal ausgetragen wird, unter anderem das Team Phoenix. Unterwegs mit dem Audi R8 LMS im Bilstein-Design, werden dem Team gute Chancen auf den Gesamtsieg zugeschrieben. Zusätzlich gibt TV-Star und Tuning-Ikone Lina Van de Mars am Freitag, 18. Mai, ab 15 Uhr eine Autogrammstunde am Bilstein-Stand im Fahrerlager.

Über aktuelle Fahrwerktechnik, den Einsatz beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring und die Umrüstung in der Kfz-Werkstatt hat sich Krafthand-Online mit Rainer Popiol, Manager Schulungen und Training bei der Thyssen-Krupp Bilstein Tuning GmbH, unterhalten.

KHO: Herr Popiol, wie hat sich die Dämpfertechnik in den vergangenen 40 Jahren verändert?

Rainer Popiol: Mit der Erfindung und Patentierung des Bilstein Einrohr-Gasdruck Stoßdämpfers, damals als ‚System de Carbon‘ bezeichnet, stellte Bilstein die Fahrwerkszene von 1954 an komplett auf den Kopf. Mittlerweile hat sich die Gasdrucktechnologie als ein Standard im Automobilbau etabliert. Neben den zunächst vorwiegend passiven Dämpfersystemen sind in den vergangenen Jahren sowohl aktive als auch semiaktive Dämpfersysteme entwickelt worden. Zudem hat die Luftfeder bei Oberklasse- und Geländefahrzeugen die klassische Stahlfeder abgelöst. Seit den Anfangsjahren haben wir unsere Technologien konsequent weiterentwickelt und damit auch die Messlatte für Sicherheits- und Komforteigenschaften unserer Stoßdämpfer und Fahrwerke stetig gehoben. Die von uns entwickelten Technologien können wir theoretisch für alle Fahrzeuge anbieten, Voraussetzung dafür ist die sorgfältige Abstimmung der Produkteigenschaften auf die Fahrzeugtypen und Konsumentenerwartungen.

 

KHO: Gelten für den Fahrwerksbereich auf der Nordschleife andere Gesetze als auf anderen herkömmlichen Rennstrecken?

 

Rainer Popiol: Die 20,832 Kilometer lange Nordschleife des Nürburgrings gilt als eine der härtesten Rennstrecken der Welt. Eine Faustregel besagt, dass 8.000 bis 10.000 Kilometer auf der Nordschleife einem Autoleben entsprechen. Neben den unterschiedlichen Straßenbelägen sind insbesondere die Höhenunterschiede von bis zu 300 Meter eine Herausforderung. Bei hohen Geschwindigkeiten, wenigen Auslaufzonen und hohen Curbs muss ein Fahrwerk Schwerstarbeit leisten. Extrem tiefergelegte Fahrzeuge können hier in der „Grünen Hölle“ keine schnellen Rundenzeiten erzielen, da die Strecke durch die Höhenunterschiede einen hohen Federnweg benötigt. Den Herausforderungen einer solch‘ vielfältigen Strecke müssen Bilstein-Produkte ohne Qualitätseinbußen standhalten können. Daher testen wir alle Hochleistungsdämpfer sowie Sport- und Gewindefahrwerke auf der Nordschleife. Denn nur dort können sie den Härtetest bestehen.

 

KHO: Ist ein Umrüsten auf ein entsprechendes (sportliches) Fahrwerk grundsätzlich bei jedem Fahrzeugtyp denkbar?

 

Rainer Popiol: Lassen Sie mich die Frage umformulieren: Ja, eine Fahrwerkumrüstung auf ein entsprechend optimiertes Fahrwerk ist grundsätzlich bei jedem Fahrzeugtyp möglich. Wir setzen hier vor allem auch auf die Aufklärung in der Werkstatt oder am Point of Sale. Viele Endkunden denken beim Thema Fahrwerkumrüstung automatisch daran, ein Fahrzeug tieferzulegen, straffer und sportlicher abzustimmen. Das ist aber nur ein Aspekt. Bilstein als Komplett-Sortimentler setzt auf die Fahrwerk-Optimierung eines breiten Fuhrparks. Wir achten in der Applikationsentwicklung, neben Sportlichkeit, insbesondere auf Zugewinn für Komfort und Sicherheit. Hier ist das 'Ohr am Kunden' gefragt: Welche Wünsche, welchen 'Fahrwerk-Geschmack' hat der Kunde und was passt zu seinem Fahrzeug? Wir verstehen uns bei Bilstein als Komplett-Sortimentler und versuchen, für möglichst viele Fahrzeugmodelle Produkte zur Performance-Optimierung anzubieten. Es muss aber auch wirtschaftlich bleiben. Für uns als Hersteller exklusiver Qualitätsprodukte 'Made in Germany' ist deswegen die genaue Zielgruppenkenntnis ein Schlüsselfaktor. Unsinn wäre es zum Beispiel, eine Clubsport-Fahrwerk-Applikation für ein Nischen-MPV-Modell ins Sortiment aufzunehmen.

 

KHO: Über welche Vorkenntnisse muss ein Kfz-Profi in der Werkstatt verfügen, um ein Fahrwerk entsprechend professionell zu verbauen und einzustellen?

 

Rainer Popiol: Ein fundiertes Knowhow über den Fahrwerkaufbau, also die genaue Kenntnis des Zusammenspiels von Stoßdämpfer, Feder und aller angebundenen Komponenten, ist die Grundvoraussetzung, die sich ein Kfz-Profi im Laufe seiner Fachausbildung und Berufsjahre angeeignet haben sollte. Grundsätzlich werden unsere Stoßdämpfer und Fahrwerke mit ausführlichen Einbauanleitungen ausgeliefert. Es sollte also eine Grundbereitschaft da sein, nicht einfach draufloszuschrauben, sondern erst einmal die Dokumentation sorgfältig durchzulesen. Hört sich simpel an, macht aber längst nicht jeder. Wichtig ist natürlich auch die Verwendung des passenden Spezialwerkzeugs. Beim Einbau muss der Kfz-Mechatroniker darauf achten, die Stoßdämpfer mit dem richtigen Drehmoment anzuziehen. Man sollte also wissen: Bei der Montage einen Drehmomentschlüssel verwenden, nie einen Schlagschrauber. Bei der Fahrzeugtieferlegung muss zum Beispiel bedacht werden, dass die Nulllage des Fahrzeugs verändert wird und daher sämtliche Gummi-Metall-Verbindungen gelöst werden müssen, wenn das Fahrzeug auf dem Boden steht und spannungsfrei ist. Zudem ist eine Achsvermessung entsprechend der Herstellerangaben absolut ratsam, um nicht aus der Gewährleistung zu fallen. Wir haben speziell für Werkstätten einen Ablaufplan zur professionellen Fahrzeugtieferlegung und zum Stoßdämpferwechsel erstellt. Bilstein bietet zudem praxisorientierte Schulungen zum Einbau von Fahrwerken an.

 

KHO: Wann sollte der Kfz-Profi dem ambitionierten Werkstattkunden von der Umrüstung auf ein Sportfahrwerk abraten?

 

Rainer Popiol: Das A und O ist, dass der Kfz-Profi mit seinen Kunden ein qualifiziertes Beratungsgespräch führt. Das erspart unnötige Reklamationen. Dabei muss er die Bedürfnisse des Kunden erfragen und auf diese eingehen. Ein Beispiel: Wenn ein Kunde etwa die Belastbarkeit des Fahrwerks erhöhen möchte, weil er regelmäßig mit hoher Zuladung unterwegs ist, aber gleichzeitig den Komfort des Serienfahrwerks beibehalten möchte, könnte ihm der Hochleistungsdämpfer Bilstein B6 empfohlen werden. Für den Geländewagen-Fahrer hingegen, der mit der Fahrwerkumrüstung auf eine Höherlegung abzielt, um die Offroad-Eigenschaften durch erhöhte Bodenfreiheit zu optimieren, empfiehlt sich etwa die spezielle Bilstein B6 Offroad Applikation. Wir versuchen, mit unseren Produkten zielgruppenorientiert auf die Bedürfnisse unserer Endkunden einzugehen, um so unsere Handelspartner in ihren Abverkaufsstrategien zu stärken. Das Bilstein-Portfolio bietet dafür die entsprechend vielfältige Produkt-Bandbreite an: vom Bilstein B4 Serienersatz-Stoßdämpfer in Erstausrüsterqualität über die Hochleistungsdämpfer Bilstein B6 und Bilstein B8 bis hin zu den Sport- und Gewindefahrwerken Bilstein B12, Bilstein B14 und Bilstein B16 sowie den elektronischen Fahrwerken Bilstein B16 ridecontrol oder DampTronic.

 

KHO: Herr Popiol, wir bedanken uns für das Gespräch.

 

Die Fragen stellte Georg Blenk.

 

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